Aus der Erhebung der EU-OSHA geht hervor, dass fast die Hälfte der Beschäftigten in der EU wahrscheinlich Krebsrisikofaktoren ausgesetzt ist
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Laut der Erhebung zur Exposition von Beschäftigten gegenüber arbeitsbedingten Krebsrisikofaktoren in Europa (Workers’ Exposure Survey, WES) könnten fast 47 Millionen Beschäftigte in der EU in ihrer letzten Arbeitswoche mindestens einem Krebsrisikofaktor ausgesetzt gewesen sein. Die von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) durchgeführte Erhebung zeigt erhebliche Lücken bei der Prävention auf und unterstreicht die dringende Notwendigkeit gezielter, evidenzbasierter Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Beschäftigten und zur Verringerung der Belastung durch arbeitsbedingte Krebserkrankungen in ganz Europa.
Der abschließende zusammenfassende Bericht der Erhebung (1), der 98,5 Millionen europäische Beschäftigte abdeckt, enthält die bislang umfassendsten Daten über die wahrscheinliche Exposition von Beschäftigten gegenüber 24 bekannten Krebsrisikofaktoren in sechs EU-Mitgliedstaaten: Deutschland, Irland, Spanien, Frankreich, Ungarn und Finnland. Aus dem neuesten Bericht geht hervor, dass 46,6 Millionen Beschäftigte während ihrer letzten Arbeitswoche einem oder mehreren Krebsrisiken ausgesetzt waren.
Expositionsraten und Unterschiede zwischen verschiedenen Beschäftigten
- Als häufigste wahrscheinliche arbeitsbedingte Expositionen wurden die gegenüber ultravioletter (UV) Sonnenstrahlung, Dieselmotoremissionen, Benzol, alveolengängigem kristallinen Siliciumdioxid (Quarzfeinstaub) und Formaldehyd identifiziert.
- Im Gegensatz zur Exposition gegenüber anderen Industriechemikalien ist die Exposition gegenüber Formaldehyd unter der arbeitenden Bevölkerung weiter verbreitet: Wahrscheinlich sind 6,4 % aller Beschäftigten davon betroffen. Die Umstände dieser Exposition sind recht unterschiedlich, sie findet z. B. bei der Arbeit mit Klebstoff oder Sperrholz, bei der Brandbekämpfung oder beim Öffnen von Frachtcontainern statt.
- Die Exposition gegenüber Holzstaub sticht unter den Krebsrisikofaktoren in der Umfrage besonders hervor: Die Hälfte der betroffenen Beschäftigten war in der vergangenen Arbeitswoche einer hohen Exposition ausgesetzt, was 1,6 % aller Beschäftigter entspricht.
- Etwa 11,1 % der Beschäftigten sind mindestens einer der 24 Substanzen in hoher Konzentration ausgesetzt.
- Mehrfachexpositionen sind ebenfalls weit verbreitet: 26,1 % der Beschäftigten waren innerhalb derselben Woche wahrscheinlich mindestens zwei Krebsrisikofaktoren ausgesetzt.
- Ältere Beschäftigte sind häufiger mehreren Risikofaktoren ausgesetzt, allerdings in geringerem Maße als andere Beschäftigte.
- Selbstständige und Zeitarbeitskräfte sind oft höheren Expositionsraten ausgesetzt, wobei sich die Expositionsmuster je nach Branche und Art der Tätigkeit auch zwischen Männern und Frauen unterscheiden.
„Fast die Hälfte der europäischen Beschäftigten ist bei der Arbeit wahrscheinlich krebserregenden Stoffen ausgesetzt, und Millionen von ihnen sind einem hohen Risiko oder einer Mehrfachexposition ausgesetzt. Jedes Jahr sterben in der EU mehr als 100 000 Menschen an arbeitsbedingten Krebserkrankungen. Diese Ergebnisse zeigen, dass erhebliche Präventionslücken bestehen und dringend gezielte, evidenzbasierte Maßnahmen erforderlich sind, um die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen und die Belastung durch arbeitsbedingte Krebserkrankungen in ganz Europa zu verringern.“
William Cockburn, Exekutivdirektor der EU-OSHA
Kontrollmaßnahmen und Präventionslücken
Die Erhebung, die zwischen September 2022 und Februar 2023 durchgeführt wurde, zeigt erhebliche Unterschiede zwischen Branchen, Beschäftigungsarten und demografischen Gruppen, was die Bedeutung gezielter Maßnahmen und politischer Maßnahmen unterstreicht.
Die WES untersucht auch, wie an Arbeitsplätzen mit Expositionsrisiken umgegangen wird. Der Einsatz von Kontrollmaßnahmen wie Belüftung, geschlossenen Systemen und persönlicher Schutzausrüstung variiert stark. Einige Branchen, einschließlich der chemischen Labore, berichten über eine konsequente Anwendung technischer Kontrollen. In vielen anderen werden Kontrollen nur gelegentlich oder überhaupt nicht eingesetzt. So gaben beispielsweise mehr als zwei Drittel der Beschäftigten, die während der Fahrzeugwartung Abgasemissionen von Dieselmotoren ausgesetzt waren, an, keine Schutzmaßnahmen ergriffen zu haben.
Diese Feststellungen verdeutlichen die Notwendigkeit einer verbesserten und kohärenteren Umsetzung technischer, organisatorischer und persönlicher Schutzmaßnahmen, die der etablierten Präventionshierarchie folgen.
Informationspolitik und Maßnahmen
Die WES-Daten liefern solide und als Grundlage von Vergleichen geeignete Belege zur Unterstützung der Politikentwicklung und von Präventionsstrategien am Arbeitsplatz. Die EU-OSHA hat einen aktiven Beitrag zum laufenden Prozess der Europäischen Kommission zur Aktualisierung der EU-Rechtsvorschriften über Karzinogene, Mutagene und reproduktionstoxische Stoffe bei der Arbeit geleistet, der vor mehreren Jahren begonnen hat und aktuell fortgesetzt wird. Unsere Forschung bildet die Grundlage für diese Gesetzgebungsarbeit, und die Ergebnisse der Erhebung werden in mögliche künftige Änderungen einfließen. Sie unterstützen auch die Ziele des Strategischen Rahmens der EU für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz 2021–2027, des Europäischen Plans gegen den Krebs und des EU-Fahrplans zu Karzinogenen.
Wirksame Präventionsstrategien müssen den verschiedenen Arten und Ebenen der Exposition, denen verschiedene Gruppen von Beschäftigten ausgesetzt sind, Rechnung tragen. Branchenspezifische und arbeitnehmerorientierte Ansätze sind unerlässlich, um Risiken zu verringern und die Gesundheit zu schützen.
Zu den Ergebnissen
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Thematischer Teil: Erhebung zur Exposition von Beschäftigten gegenüber Krebsrisikofaktoren in Europa
(1) Die ersten Ergebnisse wurden im November 2023 veröffentlicht.
Hinweise für die Redaktion:
Die Erhebung zur Exposition von Beschäftigten (Workers' Exposure Survey, WES) ist eine groß angelegte, bevölkerungsbasierte Telefonumfrage, die zwischen September 2022 und Februar 2023 in sechs EU-Mitgliedstaaten durchgeführt wurde. In der Erhebung wird die Wahrscheinlichkeit einer Exposition von Beschäftigten gegenüber 24 bekannten Krebsrisikofaktoren geschätzt, unter anderem gegenüber Industriechemikalien, verfahrensbedingten Stoffen und Gemischen sowie körperlichen Risikofaktoren.
Die WES nutzt das Tool Occupational Integrated Database Exposure Assessment System (OccIDEAS) und liefert gewichtete Daten, die für 98,5 Millionen Beschäftigte repräsentativ sind.
Zu den früheren WES-Veröffentlichungen gehören Kurzberichte und Fachberichte, ein Methodikbericht, ein themenbezogener Bericht über Beschäftigte im Gesundheitswesen und mehrere Flyer.
Arbeitsbedingte Krebserkrankungen sind die häufigste Ursache für arbeitsbedingte Todesfälle in der EU und verursachen jedes Jahr mehr als 100 000 Todesfälle, wie im EU-Fahrplan zu Karzinogenen anerkannt wird.
Weitere Informationen finden Sie unter: https://osha.europa.eu.