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Fahrplan zu Karzinogenen

Aktionsprogramm zur Bekämpfung arbeitsbedingter Krebserkrankungen

Krebserkrankungen sind Schätzungen zufolge die häufigste Ursache von arbeitsbedingten Todesfällen in der EU. Im Hinblick auf die Verringerung der Zahl der berufsbedingten Krebserkrankungen kann zweifellos noch mehr getan werden. Aus diesem Grund unterzeichneten am 25. Mai 2016 sechs europäische Organisationen ein Übereinkommen, in dem sie sich zu einem freiwilligen Maßnahmenprogramm zur Sensibilisierung für die Gefährdung durch Karzinogene am Arbeitsplatz und zum Austausch von guten praktischen Lösungen verpflichteten.

Teilnehmende Partner sind:

  • das österreichische Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK);
  • BUSINESSEUROPE (europäischer Arbeitgeberverband);
  • die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA);
  • die Europäische Kommission;
  • der EGB (Europäische Gewerkschaftsbund);
  • das niederländische Ministerium für Soziales und Beschäftigung.

Die Unterzeichner des Übereinkommens haben für das Programm einen Fahrplan für den Zeitraum von 2016 bis 2019 aufgestellt. Mitgliedstaaten, Sozialpartner, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und andere Organisationen in ganz Europa werden dazu ermutigt, sich an dem Programm zu beteiligen.

Ausbau der Prävention in Unternehmen

Zu den Maßnahmen, die in den drei Programmjahren entwickelt und durchgeführt werden sollen, gehören:

  • die Unterrichtung von Arbeitgebern über Grenzwerte und die Sensibilisierung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern für die Gefährdung durch Karzinogene, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU);

  • die Unterrichtung von Arbeitgebern über Gefährdungsbeurteilungsmethoden und mögliche Risikomanagementmaßnahmen;

  • Maßnahmen zur Beeinflussung des Verhaltens und der Kultur am Arbeitsplatz;

  • die Erfassung, Beschreibung und Bereitstellung einer Reihe von spezifischen kosteneffizienten, auch in KMU anwendbaren guten praktischen Lösungen in Bezug auf bestimmte krebserregende Stoffe.

  • Mitgliedstaaten und Organisationen werden dazu ermutigt, als Mentoren oder Partner aufzutreten, indem sie die Federführung für einen spezifischen Teil des Aktionsprogramms übernehmen, z. B. in Bezug auf eine spezielle Gruppe von Karzinogenen oder für eine bestimmte Branche.

Das Programm dürfte vor allem kleineren Unternehmen mit geringer Erfahrung mit guten praktischen Lösungen zugutekommen. Ebenso hofft man, dass eine stärkere Sensibilisierung Innovationen bei den Produktionsprozessen herbeiführen wird, so dass krebserregende Stoffe allmählich durch sicherere Alternativen ersetzt werden. 

Das weitere Vorgehen

Die sechs Organisationen fordern alle Bürger auf, Maßnahmen zu ergreifen, gute praktische Lösungen anzuwenden und das allgemeine Bewusstsein zu schärfen, um einer Gefährdung durch Karzinogene vorzubeugen.

Das Konzept der guten praktischen Lösungen ist weit aufzufassen: Es bezieht sich auf alle Initiativen, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber dabei unterstützen, Personen vor krebserregenden Stoffen am Arbeitsplatz zu schützen. Beispiele hierfür sind u. a. technische Maßnahmen, Sensibilisierungsmaßnahmen, Instrumente für die Gefährdungsbeurteilung, branchenspezifische Ansätze, Maßnahmen zur Förderung einer Präventionskultur, zwischenbetriebliche Zusammenarbeit, Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten, Forschungsinstituten oder Wirtschaftszweigen usw.

Organisationen sind aufgefordert, ihre (geplanten) Initiativen und/oder Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen im Rahmen des Fahrplans anzukündigen. Die Auflistung wird voraussichtlich ab dem 1. Juli 2016 verfügbar sein.

Zur Einreichung Ihrer Initiative besuchen Sie bitte http://www.roadmaponcarcinogens.eu

Das weitere Vorgehen

Das Programm soll möglichst rasch anlaufen, damit schon bald Ergebnisse erzielt werden können. 

Die EU-OSHA fördert die Bekanntmachung des Programms und wird die Partner bei der Organisation einer jährlichen Veranstaltung zur Sensibilisierung und Bewertung der Fortschritte unterstützen. Darüber hinaus wird die von der EU-OSHA geleitete Kampagne für gesunde Arbeitsplätze 2018-2019 dem Thema Gefahrstoffe gewidmet sein und so an den Fahrplan und dessen Ziele anknüpfen.

Im Rahmen des Programms ist eine Reihe von Maßnahmen unter Beteiligung von zwei EU-Ratsvorsitzländern vorgesehen, wobei der Programmbeginn in den Ratsvorsitz der Niederlande 2016 und das Programmende in den Ratsvorsitz Österreichs 2019 fällt.

Weitere Informationen

Wozu sich die Partner genau verpflichtet haben, können Sie im Übereinkommen nachlesen.

Alle Einzelheiten der geplanten gemeinsamen Maßnahmen zur Reduzierung arbeitsbedingter Krebserkrankungen entnehmen Sie bitte dem Fahrplan.

Das OSHwiki enthält verwandte Artikel zu folgenden Themen:

Pressemitteilung des niederländischen Focalpoints für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz lesen

Tagungsbericht der Amsterdamer Konferenz zu arbeitsbedingten Krebserkrankungen, 23.-25. Mai 2016

Vorschlag der Europäischen Kommission zu Karzinogenen