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Sicherheit und Gesundheitsschutz in kleinen und Kleinstunternehmen

Safety and health in micro and small enterprises
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) werden als wesentliche Triebkräfte für Wirtschaftswachstum, Innovationen, Beschäftigung und soziale Integration betrachtet und zählen zu den Stützpfeilern der europäischen Wirtschaft.

Im Jahr 2013 waren 99,8 % aller Unternehmen in der EU außerhalb des Finanzsektors kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Dies entspricht 21,6 Mio. EU-Unternehmen.

KMU werden in drei Kategorien eingeteilt: Kleinstunternehmen, kleine Unternehmen und mittlere Unternehmen. In der Empfehlung 2003/361/EG der Kommission vom 6. Mai 2003 sind diese wie folgt definiert:

  • Ein mittleres Unternehmen beschäftigt weniger als 250 Personen und erzielt entweder einen Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. EUR oder seine Jahresbilanzsumme beläuft sich auf höchstens 43 Mio. EUR.
  • Ein kleines Unternehmen beschäftigt weniger als 50 Personen und sein Jahresumsatz bzw. seine Jahresbilanz übersteigt 10 Mio. EUR nicht.
  • Ein Kleinstunternehmen beschäftigt weniger als 10 Personen und sein Jahresumsatz bzw. seine Jahresbilanz übersteigt 2 Mio. EUR nicht.

Im Durchschnitt beschäftigen KMU in der EU 4,22 Mitarbeiter, aus diesem Grund ist die überwiegende Mehrheit (92,4 %) der Unternehmen in der EU als Kleinstunternehmen eingestuft. Auf diese Kleinstunternehmen entfallen 67,4 % aller Arbeitsplätze in Europa, d. h., ihre Bedeutung für die europäische Wirtschaft ist erheblich.

Herausforderungen für kleine und Kleinstunternehmen

Arbeitnehmer in kleineren Unternehmen sind nachweislich größeren Risiken ausgesetzt als Arbeitnehmer in größeren Unternehmen. Außerdem haben kleinere Unternehmen größere Schwierigkeiten beim Risikomanagement. Verschiedene Studien, darunter auch die ESENER-Erhebung (Europäische Unternehmenserhebung über neue und aufkommende Risiken) der EU-OSHA, zeigen, dass die Herausforderungen im Umgang mit der Sicherheit und dem Gesundheitsschutz bei der Arbeit immer größer werden, je kleiner das betreffende Unternehmen ist.

Ein relativ schlechtes Management im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit ist auf bestimmte typische Eigenschaften kleiner Unternehmen zurückzuführen, z. B. strukturelle und organisatorische Merkmale von Arbeit und Beschäftigung, wirtschaftliche Position und Geschäftsbeziehungen, Vielfalt und Flexibilität im geschäftlichen Bereich, eine gewisse Abgeschiedenheit von der Reichweite behördlicher Vorschriften, Einstellungen und Kompetenzen der Inhaber und Arbeitnehmer in solch kleinen Unternehmen oder ihre kurze Bestandsdauer. Diese Eigenschaften erschweren es kleinen und Kleinstunternehmen, ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld zu schaffen und aufrechtzuerhalten.

Zu den Faktoren, die sich –  im Vergleich zu größeren Unternehmen – auf das Management im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in kleinen und Kleinstunternehmen auswirken, zählen u. a.:

  • Die Regulierung gestaltet sich schwierig, da die Unternehmen in der Regel heterogen, geografisch verstreut und ohne zusammenhängende Vertretung sind. Haushaltszwänge bedingen häufig einen Mangel an Ressourcen für die Umsetzung von Initiativen und Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz, die z. B. mit Kosten für Beratungsleistungen, Informationen, Werkzeuge und Kontrollen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz verbunden sind.
  • Dieser Ressourcenmangel verhindert auch die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen.
  • Es stehen weniger Zeit und Energie für Aufgaben zur Verfügung, die nicht als Kernaufgaben betrachtet werden, was in Bezug auf das Management von Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz manchmal der Fall ist. Gute Sicherheits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen bei der Arbeit werden nicht als Priorität betrachtet.
  • Die Durchführung wirksamer Gefährdungsbeurteilungen kann kostspielig und kompliziert sein, insbesondere wenn einem Unternehmen die nötigen Ressourcen und Kenntnisse im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit fehlen.
  • Für Organisationen, die sich für die Förderung oder Durchsetzung guter Sicherheits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen bei der Arbeit einsetzen, können kleine und Kleinstunternehmen schwer zu erreichen sein.

 

Weitere Informationen über die Faktoren, die kleinere Unternehmen zu Investitionen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit motivieren, bietet der entsprechende OSHwiki-Artikel (nur in englischer Sprache).  

Gute Sicherheits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen bieten Vorteile für kleine und Kleinstunternehmen

Weniger als die Hälfte der kleinen und Kleinst-Start-up-Unternehmen bestehen mehr als 5 Jahre, und nur ein Bruchteil dieser Unternehmen schafft den Sprung in die Kerngruppe der Hochleistungsunternehmen, die industrielle Innovationen und Leistungen vorantreiben. Einer Studie zufolge war die durchschnittliche Arbeitsunfallrate neuer kleiner und Kleinstunternehmen in den USA mit einer Bestandsdauer von maximal ein oder zwei Jahren mehr als doppelt so hoch wie die bei Unternehmen mit einer Bestandsdauer von mehr als fünf Jahren.

Die Kosten von Unfällen sind für kleinere Unternehmen von besonderer Bedeutung, da in diesen Unternehmen 82 % aller Arbeitsunfälle und 90 % aller tödlichen Unfälle auftreten.

Die Auswirkungen eines schwerwiegenden Vorfalls im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit könnten für ein kleines Unternehmen katastrophale Folgen haben:

  • Für kleine und Kleinstunternehmen ist es viel schwieriger, die Folgen eines Vorfalls im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu bewältigen.
  • Die relativen Auswirkungen sind größer als bei vergleichbaren größeren Unternehmen.
  • Arbeitnehmer mit wichtigen Aufgaben können nicht einfach oder schnell ersetzt werden.
  • Kurzfristige Betriebsunterbrechungen können zum Verlust von Kunden und wichtigen Verträgen führen.
  • Ein schwerwiegender Vorfall kann aufgrund der direkten Kosten für seine Bewältigung oder aufgrund des Verlusts von Verträgen und/oder Kunden die Schließung des Unternehmens bedingen.
  • Selbst durch weniger gravierende Vorfälle und Krankheitsfälle können sich die krankheitsbedingten Fehlzeiten verdoppeln.

Statistiken wie diese zeigen, dass gute Sicherheits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen bei der Arbeit für den Erfolg und das langfristige Bestehen dieser kleinen und Kleinstunternehmen entscheidend sind. Die ESENER-Erhebung der EU-OSHA lieferte Nachweise dafür, dass selbst sehr kleine Unternehmen in einigen EU-Ländern und Sektoren eine Vielzahl praktischer Lösungen für das Management im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit aufweisen. Dies legt den Schluss nahe, dass sich das Management im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in kleinen und Kleinstunternehmen erheblich verbessern ließe, wenn es gelingt, hierfür ein förderliches Umfeld zu schaffen.

Ein wirksames Management im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit ist nicht nur zur Verbesserung des Wohlbefindens von Arbeitnehmern entscheidend, sondern sorgt auch dafür, dass Unternehmen und Volkswirtschaften langfristig florieren, da auf Unfälle oder Erkrankungen zurückzuführende Produktionsverluste minimiert werden.

Lesen Sie dazu auch den Bericht Occupational Safety and Health and economic performance in small and medium enterprises: a review (nur in englischer Sprache). 

EU-OSHA unterstützt kleine und Kleinstunternehmen bei der Beurteilung von Risiken am Arbeitsplatz

Eine sachgemäße Gefährdungsbeurteilung ist der Schlüssel zu gesunden Arbeitsplätzen. Gerade für kleine und Kleinstunternehmen kann die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung jedoch eine große Herausforderung sein, da dort für eine wirksame Umsetzung oft die Ressourcen oder Kenntnisse im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit fehlen.

Das Online-Tool zur Gefährdungsbeurteilung (OiRA) der EU-OSHA zielt darauf ab, diese Probleme zu beseitigen. Es handelt sich dabei um die erste Initiative auf EU-Ebene, mit der europäische Kleinst- und Kleinunternehmen (vor allem über die Mitgliedstaaten und Sozialpartner auf Ebene der EU und der Mitgliedstaaten) dazu angehalten werden sollen, ihre Risiken zu beurteilen.

Kleine und Kleinstunternehmen können mit Hilfe von OiRA benutzerfreundliche und kostenlose Online-Tools erstellen und auf dieser Grundlage einen schrittweisen Gefährdungsbeurteilungsprozess einrichten – von der Identifizierung und Evaluierung von Risiken am Arbeitsplatz über die Entscheidungsfindung für Präventionsmaßnahmen und die Durchführung dieser Maßnahmen bis hin zur Überwachung und Berichterstattung. OiRA wird von sektoralen Sozialpartnern (Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände) sowie nationalen Behörden (Ministerien, Arbeitsaufsichtsbehörden, Arbeitsschutzinstitute usw.) dazu verwendet, sektorspezifische Tools zur Gefährdungsbeurteilung zu erarbeiten, die auf kleine Unternehmen abgestimmt sind.

Weitere Informationen über OiRA finden Sie auf der Projekt-Website und im zugehörigen OSHwiki-Artikel (nur in englischer Sprache).

Klein- und Kleinstunternehmen: Genauere Einblicke

Angesichts der Bedeutung der Klein- und Kleinstunternehmen (KKU) für Gesellschaft und Wirtschaft in der EU und der Herausforderungen, vor denen diese Unternehmen im Hinblick auf das betriebliche Sicherheits- und Gesundheitsschutzmanagement stehen, führt die EU-OSHA derzeit ein auf drei Jahre (2014-2017) angelegtes Projekt durch, mit dem das Ziel verfolgt wird, Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in Klein- und Kleinstunternehmen in Europa zu verbessern. Mit der Durchführung des Projekts wurde eine Gruppe von Wissenschaftlern beauftragt, die sich zum Konsortium „SESAME“ (Safe Small and Micro Enterprises) zusammengeschlossen haben.

Mit dem Projekt soll anhand der folgenden Zielsetzungen das betriebliche Sicherheits- und Gesundheitsschutzmanagement in den KKU in Europa verbessert werden:

  • Bereitstellung von Evidenzdaten für die Erarbeitung von Empfehlungen für politische Maßnahmen
  • Ermittlung guter praktischer Lösungen in ganz Europa und Förderung der Entwicklung neuer oder der Weiterentwicklung vorhandener praktischer Tools
  • Ausbau der Wissensbasis über die bestimmenden Faktoren guter betrieblicher Sicherheits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen in Klein- und Kleinstunternehmen

Das Projekt ist in vier Phasen unterteilt:

Phase 1 (2014-2015) bewertet den aktuellen Sachstand im Hinblick auf Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in KKU. Die Ergebnisse werden in dem Bericht über Zusammenhänge und Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in Klein- und Kleinstunternehmen in der EU („Contexts and arrangements for OSH in micro and small enterprises in the EU“) vorgestellt.

Phase 2 (2015-2016) beleuchtet in Form von persönlichen Gesprächen mit Inhabern/Geschäftsführern und Beschäftigten von KMU die betriebliche Sicht; die Ergebnisse werden in einem Analysebericht und in länderspezifischen Berichten vorgestellt.

Phase 3 (2016-2017) untersucht die entscheidenden Faktoren für die Wirksamkeit politischer Maßnahmen und guter praktischer Lösungen sowie die Rolle von zwischengeschalteten Akteuren in diesem Zusammenhang. In einer Bestandsaufnahme werden die ermittelten guten praktischen Lösungen vorgestellt; die Ergebnisse dieser Phase werden in einem Analysebericht und in länderspezifischen Berichten zusammengefasst.

Phase 4 (2017) beinhaltet die Durchführung der abschließenden Analyse, die einen umfassenden faktengestützten Überblick über das Projekt vermittelt. Die einzelnen Elemente der vorangegangenen Phasen werden in einem Bericht zusammengefasst; die Projektergebnisse werden einem möglichst großen Publikum zugänglich gemacht – im Rahmen einer Diskussion unter den beteiligten Interessenträgern auf einer Schlusskonferenz.