Muskel- und Skeletterkrankungen

Musculoskeletal disorders. Woman being treated for musculoskeletal disorders

©EU-OSHA/Adam Skrzypczak

Muskel- und Skeletterkrankungen (MSE) gehören zu den häufigsten arbeitsbedingten Erkrankungen. Millionen von Arbeitnehmern überall in Europa sind davon betroffen, die Kosten für Arbeitgeber belaufen sich auf Milliarden Euro. Die Bekämpfung von MSE trägt dazu bei, das Leben der Arbeitnehmer zu verbessern, ist aber auch wirtschaftlich sinnvoll.

Arbeitsbedingte Muskel- und Skeletterkrankungen (MSE) treten hauptsächlich im Bereich des Rückens, des Nackens, der Schultern und der oberen, aber auch der unteren Gliedmaßen auf. Sie umfassen alle Schädigungen oder Störungen der Gelenke oder des Gewebes. Die Gesundheitsprobleme reichen von geringfügigen Schmerzen bis hin zu schweren Erkrankungen, die eine Freistellung oder medizinische Behandlung erfordern. Wenn sie chronisch werden, können sie gar zu Behinderung führen, sodass ein Ausscheiden aus dem Erwerbsleben notwendig wird.

Ursachen von MSE

Die meisten arbeitsbedingten MSE entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. In der Regel lassen sich MSE nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen; vielmehr wirken mehrere Risikofaktoren zusammen, dies sind u. a. physische und biomechanische Faktoren, organisatorische und psychosoziale sowie individuelle Faktoren.

Zu physischen und biomechanischen Risikofaktoren gehören u. a.:

  • Handhabung von Lasten, insbesondere beim Beugen und Drehen des Körpers
  • Gleichförmig wiederholte oder kraftvolle Bewegungen
  • Ungünstige und statische Haltungen
  • Erschütterungen, mangelhafte Beleuchtung oder kalte Arbeitsumgebungen
  • Schnell getaktete Arbeitsabläufe
  • Längeres Sitzen oder Stehen in derselben Position

Zu organisatorischen und psychosozialen Risikofaktoren gehören u. a.:

  • Hohe Arbeitsanforderungen und geringe Autonomie
  • Keine Pausen oder keine Möglichkeiten, die Arbeitshaltungen zu verändern
  • Arbeiten in hohem Tempo, auch infolge der Einführung neuer Technologien
  • Lange Arbeitszeiten oder Schichtarbeit
  • Mobbing, Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz
  • Geringe Arbeitszufriedenheit

Im Allgemeinen sind dies alle psychosozialen und organisatorischen Faktoren (insbesondere in Kombination mit physischen Risiken), die zu Stress, Erschöpfung, Angstzuständen oder anderen Reaktionen führen können, die ihrerseits das Risiko von MSE erhöhen.

Zu individuellen Risikofaktoren gehören u. a.:

  • Krankheitsvorgeschichte
  • Körperliche Leistungsfähigkeit
  • Lebensweise und -gewohnheiten (z. B. Rauchen, fehlende körperliche Bewegung)

Gefährdungsbeurteilung

Es gibt nicht die eine Lösung, und es kann bei ungewöhnlichen oder schwerwiegenden Problemen gelegentlich erforderlich sein, den Rat von Experten einzuholen. Viele Lösungen sind jedoch auch einfach und ohne erhebliche Kosten möglich, wie z. B. die Nutzung eines Wagens zur Unterstützung bei der Handhabung von Gütern oder das Umstellen von Gegenständen auf einem Arbeitstisch.

Zur Verhütung von MSE sollten Arbeitgeber folgende Maßnahmen miteinander kombinieren:

  • Gefährdungsbeurteilung: Verfolgen Sie einen ganzheitlichen Ansatz, bewerten und bewältigen Sie die gesamte Palette der Ursachen (siehe oben). Ebenso wichtig ist es, auf diejenigen Arbeitnehmer zu achten, die einem höheren Risiko von MSE ausgesetzt sind. Vorrang hat die Beseitigung der Risiken, aber ebenso die Anpassung der Arbeit an die Arbeitnehmer.
  • Mitwirkung der Arbeitnehmer: Beteiligen Sie die Arbeitnehmer und die Arbeitnehmervertreter an den Erörterungen von möglichen Problemen und Lösungen.

Erfahren Sie mehr über die Verhütung arbeitsbedingter MSE.

Aktionsplan zur Prävention

Nach Durchführung der Gefährdungsbeurteilung sollte eine Liste von Maßnahmen in der Reihenfolge ihrer Priorität aufgestellt und Arbeitnehmer sowie Arbeitnehmervertreter an ihrer Umsetzung beteiligt werden. Die Maßnahmen sollten sich auf die Primärprävention, aber auch auf die Verringerung der Schwere von Verletzungen konzentrieren. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass alle Arbeitnehmer angemessene Informationen und Schulungen zur Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit erhalten und wissen, wie bestimmte Gefahren und Risiken vermieden werden können.

Die Maßnahmen können folgende Bereiche betreffen:

  • Arbeitsplatzgestaltung: Passen Sie die Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes so an, dass Sie eine bessere Körperhaltung einnehmen.
  • Ausrüstung: Stellen Sie sicher, dass Ihr Arbeitsgerät ergonomisch und für die Aufgaben geeignet ist.
  • Aufgaben: Ändern Sie Ihre Arbeitsweisen bzw. -werkzeuge.
  • Management: Planen Sie die Arbeit so, dass gleichförmig wiederholte Bewegungen oder längeres Arbeiten in einer schlechten Körperhaltung vermieden werden. Planen Sie Ruhepausen ein, wechseln Sie sich bei den Tätigkeiten ab oder weisen Sie Aufgaben neu zu.
  • Organisatorische Faktoren: Entwickeln Sie eine MSE-Strategie zur Verbesserung der Arbeitsorganisation und der psychosozialen Arbeitsumgebung und fördern Sie die Gesundheit des Muskel-Skelettapparats.

Bei Präventionsmaßnahmen sollten auch technische Veränderungen der Arbeitsausrüstung und die Digitalisierung von Arbeitsprozessen sowie damit zusammenhängende Veränderungen der Arbeitsorganisation berücksichtigt werden.

Im Rahmen des Managementansatzes zu MSE ist ebenso auf Gesundheitsüberwachung, Gesundheitsförderung und -wiederherstellung sowie die Wiedereingliederung der von MSE betroffenen Arbeitnehmer zu achten.

Forschung in Bezug auf arbeitsbedingte MSE

Die EU-OSHA hat ein mehrjähriges Projekt mit einem Überblick über Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in Verbindung mit arbeitsbedingten MSE durchgeführt. Ziel war es, die Probleme im Zusammenhang mit arbeitsbedingten Muskel- und Skeletterkrankungen zu beleuchten, unser Verständnis dieses Problems zu verbessern und wirksame Wege des Umgangs mit arbeitsbedingten MSE zu ermitteln. Bei dem Projekt wurden ferner Arbeitsplatzstrategien und -maßnahmen entwickelt, mit denen dazu beigetragen werden soll, arbeitsbedingten Muskel- und Skeletterkrankungen vorzubeugen und chronische Muskel- und Skeletterkrankungen zu bekämpfen, was auch die Unterstützung der Arbeitnehmer bei der Rückkehr ins Erwerbsleben und der Rehabilitation umfasst. Das Projekt mit einem Überblick über Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit befasst sich mit dem Bedarf von politischen Entscheidungsträgern und Wissenschaftlern und stellt eine Ergänzung der Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze“ 2020-2022 dar.

Europäische Rechtsvorschriften

In europäischen Richtlinien, EU-Strategien zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, Verordnungen der Mitgliedstaaten und Leitlinien für gute praktische Lösungen wird die Bedeutung der Prävention von MSE bereits anerkannt.

Arbeitsbedingte MSE-Risiken fallen in den Geltungsbereich der Rahmenrichtlinie über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, die Arbeitnehmer vor arbeitsbedingten Risiken im Allgemeinen schützen soll und die Verantwortung des Arbeitgebers für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz begründet. Einige Risiken in Verbindung mit Muskel- und Skeletterkrankungen werden in gesonderten Richtlinien behandelt, insbesondere in der Richtlinie über die manuelle Handhabung von Lasten, der Bildschirmarbeitsplatzrichtlinie und der Vibrationsrichtlinie. Die Richtlinie über die Benutzung von Arbeitsmitteln befasst sich mit den Körperhaltungen von Arbeitnehmern bei der Benutzung von Arbeitsmitteln und stellt klar, dass Arbeitgeber zur Einhaltung der Mindestvorschriften für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz ergonomische Grundsätze berücksichtigen müssen.

Die EU-OSHA überwacht das Auftreten, die Ursachen und Verhütung von MSE. Die EU-OSHA unterstützt auch den Austausch guter praktischer Lösungen.

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