Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Climate change

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Höhere Temperaturen, UV-Strahlung, Luftverschmutzung und Extremwetterereignisse haben in fast allen Wirtschaftszweigen Auswirkungen auf die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Diese Faktoren können bestehende Risiken verstärken oder neue schaffen: hitzebedingte Erkrankungen, Infektionskrankheiten, Unfälle, Allergien und Krebs. Außer in körperlicher Hinsicht kann der Klimawandel die Gesundheit der Beschäftigten auch in psychischer Hinsicht beeinträchtigen.

Was sind die Folgen? Höhere Gesundheitskosten, geringere Qualität des Arbeitsplatzes und Produktivitätseinbußen.

Wie Daten belegen, hat der Klimawandel bereits Auswirkungen auf die Arbeitsplätze: Ein Drittel der Beschäftigten in der EU ist Risiken wie extremer Hitze, Extremwetterereignissen oder schlechter Luftqualität ausgesetzt. 31 % der Beschäftigten sorgen sich um die Auswirkungen von Umweltrisiken auf ihre Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (EU-OSHA-Erhebung „OSH Pulse 2025“).

Daher ist das Verständnis klimabezogener Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit für die Bewertung dieser Risiken und den Umgang mit ihnen von entscheidender Bedeutung. Aus diesem Grund führt EU-OSHA eine Reihe von Forschungsarbeiten durch, um detaillierte Informationen für Politik, Prävention und Praxis in Bezug auf die Herausforderungen des Klimawandels bereitzustellen.

Klimabedingte Auswirkungen auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Steigende Temperaturen 

Dies ist ein großes Problem für Beschäftigte in Innenräumen und im Freien. Extreme Hitze kann zu Ermüdung, Dehydrierung, Verschlimmerung chronischer Krankheiten und schweren Hitzeerkrankungen führen. Bei körperlicher Arbeit steigt die Körpertemperatur; der Hitzestress beeinträchtigt die Urteilsfähigkeit und erhöht das Unfallrisiko. Die Belastung erhöht sich weiter, wenn zwischen den Schichten keine ausreichende Erholung möglich ist. Dies gilt besonders in unzureichend gekühlten Wohnungen.

Extremwetterereignisse

Laut Prognosen werden Überschwemmungen und Waldbrände in ganz Europa an Häufigkeit und Schwere zunehmen, was zu Verletzungen und Todesfällen führen wird. Extremwetterereignisse können das Risiko des Ertrinkens sowie von Verbrennungen oder Erfrierungen erhöhen. Rettungskräfte sind zudem weiteren Risiken durch giftige Gase, Explosionen und Brandgefahren ausgesetzt.

Luftverschmutzung 

Durch die erhöhte Luftverschmutzung und steigende Konzentrationen von Inhalationsallergenen (z. B. höhere Konzentrationen oder erhöhte Allergenität von Pollen) im Zuge des Klimawandels in Verbindung mit anderen Faktoren steigt das Risiko von Atemwegserkrankungen und anderen Gesundheitsproblemen sowohl in Innenräumen als auch im Freien.

Wer ist gefährdet?

Im Freien tätige Beschäftigte

Zentrale Risikofaktoren sind eine hohe Exposition gegenüber Hitze, Extremwetterereignissen, Schadstoffen und vektorübertragenen Krankheiten.

  • Sonnenexposition erhöht das Risiko für Hautkrebs und beeinträchtigt die kognitive Leistungsfähigkeit.
  • Extremwetterereignisse führen zu mehr Verletzungen, Stress und Todesfällen.
  • Krankheiten wie Lyme-Borreliose und Dengue-Fieber breiten sich geografisch aus.

Typischerweise betroffene Tätigkeiten:

  • Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft: sind Hitzestress, durch Zecken übertragenen Krankheiten, Schadstoffen, Allergenen sowie den Risiken von Verletzungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen bei Aufräumarbeiten nach Katastrophen ausgesetzt.
  • Beschäftigte im Bauwesen: arbeiten oft in städtischen Wärmeinseln und sind Hitzestress und Unfallrisiken ausgesetzt.
  • Notfalldienste: Feuerwehrleute, Polizeibeamte und Rettungssanitäter sind Hitzekollaps, Verbrennungen, Giftstoffen, Unfällen und psychischen Belastungen ausgesetzt.

In Innenräumen tätige Beschäftigte

Anfällig bei Hitzewellen, insbesondere in schlecht belüfteten Gebäuden oder Industriezweigen mit großer Hitzeexposition.

  • Hitze kann die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und das sogenannte Sick-Building-Syndrom verstärken.
  • Bei Beschäftigten im Gesundheitswesen, die bei Hitze persönliche Schutzausrüstung (PSA) verwenden, können Erschöpfung und Atembeschwerden auftreten.
  • Hitzewellen erhöhen den Bedarf an medizinischer Versorgung und führen zu hohem Stress und hoher Arbeitsbelastung, wovon insbesondere älteres Personal in städtischen Kliniken, die häufig in Wärmeinseln liegen, betroffen ist.

Politische Maßnahmen

  • Die EU-Mitgliedstaaten verlangen von Arbeitgebern, dass sie Risikobewertungen am Arbeitsplatz durchführen und Präventivmaßnahmen festlegen, um die Beschäftigten vor Risiken am Arbeitsplatz zu schützen. Diese Maßnahmen sollten sich an der Kontrollhierarchie orientieren, sodass das Augenmerk auf technischen und organisatorischen Lösungen liegen sollte, bevor auf persönliche Maßnahmen zurückgegriffen wird.
  • Einige Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit werden in spezifischen Richtlinien und den nationalen Rechtsvorschriften zu ihrer Umsetzung berücksichtigt.
  • Die EU-Mitgliedstaaten gehen klimabedingte Risiken für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz unterschiedlich schnell an. In einigen Ländern enthalten Rechtsvorschriften oder Tarifverträge Empfehlungen für Temperaturgrenzen, abhängig von der Art der Arbeit und dem Arbeitsort.
  • Auch die Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels können neue Risiken für die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit mit sich bringen, beispielsweise in den Bereichen erneuerbare Energien, ökologisches Bauen oder Recycling.

Wichtige Berichte und damit verbundene Veröffentlichungen

Leitlinien und Instrumente

  • In einigen EU-Mitgliedstaaten gibt es Leitlinien für den Umgang mit Hitze- und UV-Exposition, ebenso wie es in einigen Ländern Vorschriften über die Temperaturen am Arbeitsplatz gibt. Zu den möglichen Maßnahmen gehören die Anpassung der Arbeitszeiten, die Bereitstellung von Ruhebereichen, Flüssigkeitszufuhr, Kühlsystemen und Schutzkleidung.
  • Die EU-OSHA bietet praktische Leitlinien zum Umgang mit hitzebedingten Risiken und zu den Maßnahmen, die zu ergreifen sind, wenn ein Beschäftigter an einer Hitzeerkrankung leidet.
  • Es wichtig, sowohl die Beschäftigten als auch die Arbeitgeber für die Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit am Arbeitsplatz und für Lösungen zur Anpassung zu sensibilisieren.
  • Arbeitgeber sollten Aktionspläne zum Thema Hitze erstellen und können digitale Instrumente wie Frühwarnsysteme oder Hitzewarngeräte nutzen.
  • Die Beschäftigten müssen bei der Entwicklung von Präventionsmaßnahmen einbezogen und in deren Anwendung geschult werden.

Ausblick: Zukunftsstudie über die Auswirkungen künftiger klimawandelbedingter Entwicklungen und Krisen auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.

In dieser Studie wird untersucht, wie sich die Arbeit an die vom Klimawandel geprägte „neue Normalität“ anpassen wird und was dies für den Schutz der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten in den kommenden Jahrzehnten bedeutet. Anstatt unmittelbare Risiken wie Hitzebelastung in den Mittelpunkt zu stellen, werden in der Studie Wandelvorgänge und Störungen bei den Arbeitsbedingungen untersucht. Zudem wird betrachtet, wie sich Politik und Praxis weiterentwickeln müssen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden politischen Entscheidungs- und Interessenträgern helfen, unvorhersehbare Herausforderungen zu antizipieren und gleichzeitig sichere und gesunde Arbeitsplätze für die Zukunft zu gewährleisten.

 

Die EU-OSHA ist Teil der Europäischen Beobachtungsstelle für Klima und Gesundheit, einer Partnerschaft zwischen der Europäischen Kommission, der Europäischen Umweltagentur (EUA) und anderen Organisationen, die Europa bei der Vorbereitung auf klimabedingte Herausforderungen im Gesundheitsbereich unterstützen soll. Die Beobachtungsstelle bietet einfachen Zugang zu einschlägigen Instrumenten, Daten und Ressourcen und fördert die Zusammenarbeit zwischen vielen Akteuren, sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene.