Forschung in Bezug auf arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen

Im Jahr 2017 startete die EU-OSHA eine vierjährige Forschungsaktivität zum Thema arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen, die Ende 2020 zum Abschluss gebracht wird. Die Forschungsaktivität mündet in die von der EU-OSHA durchgeführte Kampagne für gesunde Arbeitsplätze 2020-2022, deren Fokus auf Muskel-Skelett-Erkrankungen liegt.

Das Ziel der Aktivität besteht darin, die Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen und das Management von chronischen arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen am Arbeitsplatz zu fördern und zu unterstützen. Dies wird erreicht, indem Empfehlungen in Bezug auf bewährte Verfahren für nationale Behörden, Arbeitgeber und Organisationen auf Sektorebene ausgearbeitet, ins Bewusstsein gerückt und bereitgestellt werden.

Die Ziele der Aktivität sind:

  • Nutzung bisheriger Forschungsergebnisse und neuer Daten, um das Verständnis für die zugrunde liegenden Ursachen von Muskel-Skelett-Erkrankungen in verschiedenen Sektoren und Berufen zu verbessern;
  • Festlegung erfolgreicher Initiativen für die Prävention und das Management von Muskel-Skelett-Erkrankungen und Förderung dieser Initiativen in der breiten Öffentlichkeit;
  • Anregung von Diskussionen über die Förderung von Präventionsmaßnahmen auf nationaler Ebene zwischen politischen Entscheidungsträgern und Fachkräften aus dem Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz;
  • Förderung einer erfolgreichen langfristigen Wiedereingliederung von Arbeitnehmern mit Muskel-Skelett-Erkrankungen durch Festlegung wirksamer Programme und Maßnahmen.

Die Forschungsaufgaben umfassen Literaturrecherchen, die Erhebung und Analyse von Daten, Fallstudien, die Festlegung bewährter Verfahren, die Ermittlung praktischer Instrumente sowie die Ausarbeitung von Schulungs- und Informationsmaterialien.

Die Projekte und sonstigen Aktivitäten weisen mehrere Schwerpunkte auf. 

 

Forschung, Politik und Praxis im Hinblick auf die Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen

Arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen stellen trotz jahrzehntelanger Investitionen in ihre Prävention auf allen Ebenen nach wie vor ein großes Problem dar. Im Rahmen dieses Projekts werden die Gründe hierfür beleuchtet und neue Ansätze zur Bewältigung des Problems empfohlen. Dies umfasst insbesondere:

  • die Verbesserung unseres Verständnisses für auftretende Risiken und ursächliche Faktoren im Zusammenhang mit arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen;
  • die Ermittlung der damit verbundenen Herausforderungen;
  • die Ermittlung von Lücken in gegenwärtigen Strategien auf Politik- und Arbeitsplatzebene;
  • die Untersuchung der Wirksamkeit und Qualität von Interventionen und Risikobewertungen am Arbeitsplatz.

Die Fakten und Zahlen in Bezug auf Muskel-Skelett-Erkrankungen im Überblick

Wir benötigen ein akkurates Bild der Prävalenz, Kosten und Demografien von Muskel-Skelett-Erkrankungen in ganz Europa, um politische Entscheidungsträger auf EU- und nationaler Ebene zu unterstützen.

Das Projekt stellt dieses Bild bereit, indem Daten von relevanten und verlässlichen offiziellen Quellen zusammengetragen und analysiert werden, um unser Verständnis für die zugrunde liegenden Ursachen von Muskel-Skelett-Erkrankungen zu verbessern. Dies erleichtert und fördert die Bereitstellung von mehr und besser ausgerichteten politischen Instrumenten auf EU- und nationaler Ebene.

Das Projekt soll außerdem eine frühere Erkennung neuer und auftretender Risiken am Arbeitsplatz und damit zeitnähere und wirksamere Interventionen ermöglichen.

Arbeiten mit chronischen Muskel-Skelett-Erkrankungen

Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz tragen zur Unterstützung von Arbeitnehmern mit schmerzhaften Muskel-Skelett-Erkrankungen bei, insofern als ihnen die Ausübung ihres Berufs weiter ermöglicht und sichergestellt wird, dass die Arbeit ihren Zustand nicht verschlechtert. Dies wird erreicht, indem geeignete Anpassungen festgelegt und evaluiert werden, die den Arbeitnehmern eine Fortsetzung ihrer Arbeit ermöglichen.

Diese Forschung stützt sich auf das Element „Rückkehr in das Erwerbsleben“ des Projekts über die Sicherheit und Gesundheit älterer Arbeitnehmer. Es soll das Wissen erhöhen und den Zugang zu wichtigen Informationen verbessern, um die Beschäftigung von Menschen mit Schmerzen aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen zu fördern.

Es werden praktische Lösungen ermittelt, einschließlich einfacher Maßnahmen zur Unterstützung der Weiterarbeit und Ressourcen, um Arbeitnehmer zur frühzeitigen Meldung von Symptomen zu ermutigen.

Schulungsressourcen für den Arbeitsplatz

Es werden Ressourcen bereitgestellt, um die berufliche Aus- und Weiterbildung sowie Einführungsschulungen zu fördern; diese können auch im Rahmen von Sicherheitseinweisungen und Diskussionen zum Thema Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz verwendet werden. Sie stützen sich auf die Ressourcen, die bereits ausgearbeitet wurden, um Lehrkräfte mit Napo-Filmen bei der Durchführung von Klassenzimmeraktivitäten zum Thema Muskel-Skelett-Erkrankungen für Schüler im Alter von 7 bis 11 Jahren zu unterstützen.

Der Film Napo in … Pack's leichter an! widmet sich gänzlich Muskel-Skelett-Erkrankungen und Napo in … Zurück in eine gesunde Zukunft enthält Szenen zu diesem Thema. Jede relevante Szene in den Filmen verfügt über eine Schulungsaktivität mit Lernzielen und einen Aktivitätenüberblick. Die Materialien sind ideal für Diskussionen oder Gruppenarbeit nach dem Ansehen des Napo-Films.

Das Projekt umfasst außerdem „Situationskarten“, die Arbeitsplatzsituationen im Zusammenhang mit Muskel-Skelett-Erkrankungen aus dem wirklichen Leben beschreiben und ebenfalls ideal für Gruppendiskussionen sind. Jede Karte gibt ausreichende Informationen, um das Problem und den Kontext der Situation zu erfassen; die Teilnehmer können dann gemeinsam Lösungen erarbeiten. 

Toolbox für die Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen

Es wird eine Reihe praktischer Instrumente zusammengestellt, um das Wissen über Muskel-Skelett-Erkrankungen zu erhöhen und die Prävention auf Arbeitsplatzebene zu fördern.

Das Hauptergebnis des Projekts ist eine öffentlich zugängliche Datenbank mit Links zu vorhandenen Ressourcen über Muskel-Skelett-Erkrankungen in ganz Europa:

  • Veröffentlichungen
  • Fallstudien
  • Empfehlungen
  • Praktische Instrumente
  • Audiovisuelle Materialien

Vielfalt in der Erwerbsbevölkerung und Muskel-Skelett-Erkrankungen

Die Erwerbsbevölkerung Europas wird immer vielfältiger aufgrund:

  • des Zustroms von Arbeitsmigranten und -flüchtlingen;
  • der wachsenden Zahl von Arbeitsmigranten der zweiten Generation;
  • einer größeren Anzahl von Frauen auf dem Arbeitsmarkt;
  • einer größeren Anzahl von älteren Arbeitskräften dank einer Politik des aktiven Alterns;
  • einer verbesserten Sichtbarkeit und Beteiligung von LGBTI-Arbeitskräften;
  • einer erhöhten Beteiligung von Arbeitskräften mit Behinderungen.

Diese Gruppen haben häufig schlechtere Arbeitsbedingungen als der Durchschnitt. Sie werden oftmals in spezifische Sektoren oder Berufe mit schlechten Arbeitsbedingungen, einem höheren Risiko für Muskel-Skelett-Erkrankungen und größeren Folgen für die Gesundheit gedrängt.

Dieses Projekt legt Belege dafür vor, dass ein Zusammenhang zwischen Muskel-Skelett-Erkrankungen und der personellen Vielfalt besteht und ermittelt bewährte Verfahren in diesem Bereich, wobei der Fokus auf Arbeitsmigranten, weiblichen und LGBTI-Arbeitskräften liegt.

Muskuloskelettale Gesundheit und zukünftige Arbeitnehmer

Die EU-OSHA arbeitet eng mit ENETOSH zusammen, um Informationen über Forschungsergebnisse, bewährte Verfahren und praktische Instrumente in Bezug auf Muskel-Skelett-Erkrankungen bei jungen Menschen zu sammeln. Die Hauptergebnisse werden in die Datenbank zum Thema Muskel-Skelett-Erkrankungen aufgenommen, die im Rahmen des Projekts „Toolbox für die Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen“ und der Aktivitäten der Kampagne für gesunde Arbeitsplätze entwickelt wird.

Prolongierte statische Körperhaltungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen

Muskel-Skelett-Erkrankungen in Verbindung mit langem Sitzen und Stehen erhalten mehr und mehr Aufmerksamkeit.

Die Auftretenshäufigkeit von langem Sitzen ist gestiegen (z. B. im Bereich der Büroarbeit), doch es sind kaum praktische Präventionsempfehlungen vorhanden. Langes Stehen ist ein Risikofaktor für Schmerzen im unteren Rückenbereich und Erkrankungen der unteren Extremitäten.

Dieses Projekt schafft Bewusstsein für die Risiken und Lösungen im Hinblick auf langes statisches Sitzen und Stehen und stellt praktische Empfehlungen diesbezüglich bereit.

Partizipative Ergonomie zur Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen

„Partizipative Ergonomie“ bezieht sich auf Arbeitskräfte, Vorgesetzte und andere relevante Parteien, die gemeinsam die arbeitsbedingten Gefahren ermitteln und in Angriff nehmen, die zu Verletzungen und Gesundheitsproblemen führen können. Die Teilnehmer werden dazu angeregt, die Risiken an ihren Arbeitsplätzen zu bestimmen und zu beseitigen, die Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachen oder verschlimmern können.

Beispiele umfassen das Arbeiten in ungünstigen Körperhaltungen, die Ausführung repetitiver Arbeiten und die Aufwendung von Kraft. Der Prozess kann Arbeitgebern dabei helfen, die wirksamsten Lösungen umzusetzen.

Es fehlt jedoch an Bewusstsein für den Prozess und an Wissen über die Durchführung in der Praxis. Im Rahmen des Projekts werden Informationen und einfache Mittel zur Deckung dieses Bedarfs bereitgestellt, einschließlich Fallstudien.

Psychosoziale Risikofaktoren und Muskel-Skelett-Erkrankungen

Es liegen Daten vor, die nahelegen, dass psychosoziale Risiken und Muskel-Skelett-Erkrankungen in einem so engen Zusammenhang stehen, dass sie am besten zusammen in Angriff genommen werden. Es besteht Einigkeit darüber, dass viele Faktoren zur Entwicklung von Muskel-Skelett-Erkrankungen am Arbeitsplatz beitragen, insbesondere physische Aspekte (ungünstige Arbeitshaltungen, kraftvolle Bewegungen, repetitive Arbeiten usw.).

Die jüngste Forschung konzentrierte sich auf die psychosozialen Elemente von arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen, z. B. eine geringe Arbeitszufriedenheit, konkurrierende Anforderungen, wenig Kontrolle über die Arbeit und schlechte soziale Unterstützung.

Dieses Projekt verbessert unser Verständnis für die Zusammenhänge zwischen psychosozialen Risiken und Muskel-Skelett-Erkrankungen, indem Empfehlungen und Beispiele für bewährte Verfahren bereitgestellt werden.