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ZUR SOFORTIGEN VERÖFFENTLICHUNG - 08/05/2020 - 01:45

ESENER 2019 zeigt die Hauptprobleme für europäische Betriebe auf – Muskel- und Skeletterkrankungen und psychosoziale Risiken

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) veröffentlicht die Ergebnisse ihrer Europäischen Unternehmenserhebung über neue und aufkommende Risiken (ESENER) aus dem Jahr 2019 am Vorabend des Europatags. Die Ergebnisse vermitteln ein aktuelles Bild davon, wie europäische Betriebe derzeit mit Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit umgehen. In einem Kurzbericht werden die wichtigsten Ergebnisse der Erhebung vorgestellt und die von den Arbeitsplätzen gemeldeten Hauptrisikofaktoren, neu auftretende Risiken und einige besorgniserregende Trends beleuchtet.

Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit sind jedoch in diesen kritischen Zeiten nach wie unerlässlich, und je mehr Aufmerksamkeit die Unternehmen diesem Thema widmen, desto besser können sie sich von den Auswirkungen der Pandemie erholen.

Befragt zu der Erhebung, sagte der EU-Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte, Nicolas Schmit: „Der Schutz und die Förderung von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit haben für Arbeitnehmer, Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt in den letzten Monaten an Bedeutung gewonnen. Es besteht kein Zweifel daran, dass die in dieser Studie vorgebrachten Bedenken durch die Covid-19-Krise noch verschärft wurden. Da Telearbeit in jüngster Zeit erheblich zugenommen hat, müssen wir unsere Anstrengungen verstärken, um Probleme im Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit der Arbeitnehmer anzugehen und die Herausforderungen der Digitalisierung zu bewältigen. Der künftige Strategierahmen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit bietet die Gelegenheit, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.“

Die Exekutivdirektorin der EU-OSHA, Dr. Christa Sedlatschek, betont, dass „während der aktuellen Koronaviruskrise alle Unternehmen unabhängig von ihrer Größe wirtschaftlich ernsthaft bedroht sind. Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit sind jedoch in diesen kritischen Zeiten nach wie unerlässlich, und je mehr Aufmerksamkeit die Unternehmen diesem Thema widmen, desto besser können sie sich von den Auswirkungen der Pandemie erholen. ESENER stellt eine wertvolle Ressource dar, die politische Entscheidungsträger und Betriebe nutzen können, um eine evidenzbasierte Prävention sicherzustellen.“

Aus den Ergebnissen der Erhebung geht hervor, dass Muskel- und Skeletterkrankungen (MSE) und psychosoziale Risiken die am häufigsten von europäischen Betrieben gemeldeten Gesundheitsprobleme sind. Repetitive Hand- oder Armbewegungen (von 65 % der Betriebe 2020 in der EU27 gemeldet), längeres Sitzen (61 %) – ein neuer Punkt in der Erhebung – und der Umgang mit schwierigen Kunden, Patienten, Schülern usw. (59 %) sind die drei am häufigsten gemeldeten Risiken.

Mit der Erhebung wird auch untersucht, wie Unternehmen diese Risiken angehen, und zeigt einige besorgniserregende Trends auf. So ging beispielsweise trotz des hohen Anteils der Betriebe, in denen Risiken für Muskel- und Skeletterkrankungen gemeldet werden, die Zahl der Unternehmen, in denen Maßnahmen zur Prävention von Muskel- und Skeletterkrankungen ergriffen werden, seit 2014 leicht zurück. Darüber hinaus geben lediglich 29 % der Unternehmen an, dass sie bei übermäßig langen Arbeitsstunden eingreifen würden, um psychosoziale Risiken zu bewältigen.

Einige Unternehmen berichten sogar, bei ihnen gebe es keine Risikofaktoren. Dies gilt insbesondere für kleine Unternehmen – je kleiner das Unternehmen, desto wahrscheinlicher ist es, dass es über keine Risikofaktoren, insbesondere keine psychosozialen, berichtet, was auf ein mangelndes Bewusstsein für diese Art von Risiko hindeutet. Die fehlende Bereitschaft, Probleme offen anzusprechen, scheint das Haupthindernis für die Bekämpfung dieser Risiken zu sein.

ESENER 2019 zeigt deutlich weitere besorgniserregende Problembereiche in Bezug auf Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit auf. Mehr als ein Drittel der Betriebe in der EU gibt an, über keine Arbeitnehmervertretung zu verfügen, und mehr als ein Drittel berichtet über Zeit- oder Personalmangel als Hindernis für das betriebliche Sicherheits- und Gesundheitsmanagement. Zwischen 2014 und 2019 ging der Anteil der Unternehmen, die über eine Inspektion der Arbeitsaufsichtsbehörde während der vergangenen drei Jahre berichtete, in fast allen Ländern zurück.

Zum ersten Mal wird das aufkommende Thema der Digitalisierung und ihre Auswirkung auf die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer in ESENER 2019 angesprochen. Dabei zeigt sich beispielsweise, dass nur 24 % der Betriebe, die eine digitale Technologie einsetzen, berichteten, die möglichen Auswirkungen dieser Technologien auf die Sicherheit und Gesundheit ihrer Arbeitnehmer erörtert zu haben. Bei den Schwerpunkten der erörterten möglichen Auswirkungen steht die Notwendigkeit der Fortbildung, um Kompetenzen auf dem neuesten Stand zu halten, an erster Stelle (77 % der Betriebe in der EU27 im Jahr 2020), gefolgt von längerem Sitzen (65 %) und mehr Flexibilität für Arbeitnehmer in Bezug auf Arbeitsort und -zeit (63 %).

Die Projekte der EU-OSHA zur Digitalisierung sollen sicherstellen, dass politische Entscheidungsträger und Betriebe über die nötigen Informationen verfügen, um die technologischen Entwicklungen nutzen und gleichzeitig ihre Arbeitnehmer schützen zu können. Die Digitalisierung bildet ebenfalls den Schwerpunkt der Kampagne für gesunde Arbeitsplätze 2023 der EU-OSHA, bei der diese gemeinsam mit ihren Partnern für die Chancen und Risiken der Digitalisierung sensibilisieren wird.

Links:

  • Kurzbericht mit den wichtigsten Ergebnissen der ESENER-Erhebung 2019 lesen
  • ESENER-Datenvisualisierung benutzen, um Daten aus 2009 und 2014 einzusehen (Ergebnisse aus 2019 folgen in Kürze)
Anmerkungen für die Redaktion: 
1.

Im Rahmen der dritten Ausgabe der von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) durchgeführten Europäischen Unternehmenserhebung über neue und aufkommende Risiken (ESENER-2) wurden Personen zu den Themen betriebliches Sicherheits- und Gesundheitsschutzmanagement und Arbeitsplatzrisiken befragt, die mit Sicherheit und Gesundheitsschutz in ihrem Unternehmen am besten vertraut sind.

Im Frühjahr und Sommer 2019 nahmen 45 420 Betriebe aller Branchen aus 33 Ländern mit mindestens 5 Beschäftigten – der EU-27 sowie Island, Nordmazedonien, Norwegen, Serbien, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich – an der Erhebung teil. Um einen Vergleich zu ermöglichen, war der Fragebogen weitgehend mit dem für ESENER 2014 verwendeten identisch; es wurde jedoch ein neuer Abschnitt zur Digitalisierung hinzugefügt.

Die Daten wurden hauptsächlich über computergestützte Telefonbefragungen (CATI) erhoben, und in drei Ländern wurden die nationalen Referenzproben erhöht, die von den jeweiligen nationalen Behörden finanziert wurden: Irland (+ 1 250), Norwegen (+ 450) und Slowenien (+ 300).

2.

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) trägt dazu bei, die Arbeitsplätze in Europa sicherer, gesünder und produktiver zu machen. Die Agentur untersucht, entwickelt und verbreitet verlässliche, ausgewogene und unparteiische Informationen über Sicherheit und Gesundheit und organisiert europaweite Sensibilisierungskampagnen. Die 1994 von der Europäischen Union gegründete Agentur mit Sitz in Bilbao (Spanien) bringt Vertreter der Europäischen Kommission, der Regierungen der Mitgliedstaaten, der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände sowie führende Sachverständige aus den EU-Mitgliedstaaten und anderen Ländern zusammen.

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