OiRA: das benutzerfreundliche Tool zur Gefährdungsbeurteilung und -prävention am Arbeitsplatz

Seit 25 Jahren steht die Förderung der Gefährdungsbeurteilung im Mittelpunkt der Bemühungen der EU-OSHA, die Arbeitsplätze in Europa sicherer und gesünder zu machen. Die Entwicklung von OiRA – der interaktiven Online-Plattform zur Gefährdungsbeurteilung – hat diese Bemühungen enorm unterstützt. Was ist jedoch OiRA und welchen Nutzen bringt es für Unternehmen, insbesondere für Kleinst- und Kleinunternehmen?

Was ist OiRA?

OiRA ist eine Internetplattform, die es den Partnern der EU-OSHA auf nationaler und EU-Ebene – z. B. nationalen Behörden für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit sowie europäischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen ermöglicht, Online-Tools zur Gefährdungsbeurteilung zu entwickeln. Diese Tools sind auf bestimmte Branchen und Anforderungen nationaler Rechtsvorschriften zugeschnitten, und werden in vielen europäischen Sprachen erstellt und anschließend den Unternehmen zur Verfügung gestellt. Außerdem sind die Tools kostenlos, online leicht zugänglich und benutzerfreundlich und ermöglichen es Arbeitgebern, Führungskräften oder Arbeitnehmern, die Gefährdungen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit wirksam zu bewerten und zu beherrschen.

Welchen Nutzen ziehen Unternehmen aus OiRA? 

Die Tools ermöglichen ein schrittweises Vorgehen bei der Gefährdungsbeurteilung, bei der der Nutzer durch die Ermittlung von Gefährdungen am Arbeitsplatz, die Umsetzung vorbeugender Maßnahmen sowie die Überwachung und Berichterstattung über die Beurteilung und das Management von Gefährdungen geleitet wird. Indem OiRA dies durch einschlägiges Wissen und entsprechende Ressourcen ergänzt, ermöglicht es Unternehmen eine wirksame und effiziente Risikoprävention.

Die Gestaltung der OiRA-Plattform orientierte sich zunächst an den Bedürfnissen von Kleinst- und Kleinunternehmen, denen es häufig an den Ressourcen und Fachkenntnissen mangelt, die für eine wirksame Beurteilung und Beherrschung von Arbeitsschutzrisiken erforderlich sind. Dennoch wird OiRA von Unternehmen aller Größen genutzt, zum Beispiel dem multinationalen Automobilkonzern Daimler AG.

Daimler hat mit seinen Anstrengungen nicht nur eigenen spezifischen Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung entsprochen, sondern auch einen Nutzen für die OiRA-Gemeinschaft insgesamt geschaffen, da die entwickelten Softwarefeatures von anderen Unternehmen problemlos, Zeit und Geld sparend angepasst und eingeführt werden können. Außerdem nehmen die Bekanntheit und das Ansehen von OiRA als wirksame Plattform für Gefährdungsbeurteilungen zu, wenn es von einem solch großen multinationalen Unternehmen OiRA genutzt wird.
 
Dr.  Sedlatschek, Exekutivdirektorin der EU-OSHA

Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg von OiRA

OiRA wurde offiziell im September 2011 in Betrieb genommen. Seitdem ist die OiRA-Gemeinschaft gewachsen, und das Projekt ist immer erfolgreicher geworden. Gegenwärtig umfasst es 16 nationale Partner, wie nationale Ministerien, Arbeitsaufsichtsbehörden und Arbeitsschutzeinrichtungen sowie 17 europäische branchenspezifische Sozialpartner.

Europäische branchenspezifische Sozialpartner, einschließlich Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen, verfolgen stets einen gemeinsamen Ansatz. Gemeinsam entwickeln sie Tools auf der Grundlage europäischer Rechtsvorschriften und Vereinbarungen. Nationale OiRA-Partner entwickeln in ihrer Sprache branchenspezifische Tools, einschließlich Links und Informationen über einzelstaatliche Rechtsvorschriften.

Das Engagement und die Zusammenarbeit von Partnern auf EU- und nationaler Ebene sind entscheidend dafür, dass OiRA viele Kleinst- und Kleinunternehmen in Europa erreichen konnte. Bis Mitte 2019 waren mehr als 170 Gefährdungsbeurteilungs-Tools entwickelt, die 68 Wirtschaftszweige abdecken, und mehr als 90 Tools befanden sich in der Entwicklung.

Die ständige Zunahme von registrierten Nutzern und Gefährdungsbeurteilungen infolge des Einsatzes der Tools macht deutlich, wie stark OiRA die Bedürfnisse europäischer Unternehmen erfüllt. In einigen Branchen erreichen die nationalen OiRA-Konten ein Drittel der Kleinst- und Kleinunternehmen im jeweiligen Land/Sektor (z. B. Transportsektor in Frankreich und Friseurbetriebe in Zypern).

Der wahrgenommene Wert von OiRA unter registrierten Nutzern ist eindeutig:

  • 95 % sind der Auffassung, dass es ihren Bedürfnissen entspricht
  • 96 % würden die Tools auch anderen empfehlen.

Die EU-OSHA macht nicht nur Werbung für OiRA, sondern schätzt auch den Wert von Online-Tools zur Gefährdungsbeurteilung im Allgemeinen. Ein Netzwerk nationaler Partner, die ihre eigenen Online-Tools entwickeln, wurde eingerichtet. Das IRAT-Netzwerk (Interaktive Tools zur Gefährdungsbeurteilung) vernetzt die OiRA-Gemeinschaft mit europäischen und nationalen Partnern, die ihr eigenes kostenloses Online-Tool für die Gefährdungsbeurteilung entwickelt haben.

OiRA war, ist und bleibt integraler Bestandteil unser Bemühungen, Kleinst- und Kleinunternehmen und andere Unternehmen anzusprechen und ihren Arbeitsschutz zu verbessern, indem wir die Gefährdungsbeurteilung vereinfachen, und dies auch für Unternehmen mit begrenzten Ressourcen.

Um es mit den Worten von Dr. Christa Sedlatschek, der Exekutivdirektorin der EU-OSHA zu sagen: „Das Schlüsselkonzept heißt Prävention, Prävention und nochmals Prävention!“