ESENER: Wie gehen europäische Arbeitsplätze in der Praxis mit Sicherheits- und Gesundheitsrisiken um?

In den letzten 25 Jahren hat die EU-OSHA zuverlässige Informationen und Tools zur Verfügung gestellt, um das Wissen über Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in ganz Europa zu fördern. Die Europäische Unternehmenserhebung über neue und aufkommende Risiken (ESENER), eines der größten und wirkungsvollsten Projekte der EU-OSHA, ist zentraler Bestandteil dieser Bemühungen.

Eine der großen Errungenschaften der EU-OSHA liegt darin, das sie mittlerweile bestens mit Unternehmen in ganz Europa vernetzt ist. Vorzeigeprojekte wie ESENER tragen dazu bei, diese Position zu stärken, indem sie die Bedürfnisse dieser Unternehmen ermitteln.

Dr. Christa Sedlatschek, Direktorin der EU-OSHA

Was ist ESENER?

ESENER ist eine umfassende Erhebung, mit der der Umgang mit Risiken für die Gesundheit und Sicherheit an Arbeitsplätzen in Europa untersucht werden soll. Durch Gespräche mit Tausenden Unternehmen in der ganzen EU und in Drittländern werden Echtzeitdaten zu wichtigen Themen erhoben, zum Beispiel:

  • zum Umgang mit allgemeinen Risiken für die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz;
  • zu Ansätzen für das Management psychosozialer Risiken wie Stress, Mobbing und Belästigung;
  • zur Ermittlung von Impulsen und Barrieren für das Arbeitsschutzmanagement;
  • zur Beteiligung von Arbeitnehmern an Gesundheits- und Sicherheitspraktiken.

Im Rahmen der 2009 durchgeführten Feldarbeiten zur Erhebung ESENER-1 wurden nahezu 36 000 Gespräche mit Führungskräften und Arbeitsschutzverantwortlichen in 31 Ländern, darunter alle EU-Mitgliedstaaten, geführt. Die Befragten waren in privaten und öffentlichen Organisationen mit jeweils mindestens zehn Mitarbeitern tätig.

Zum besseren Verständnis der Ergebnisse wurden zu bestimmten Themen Detailanalysen durchgeführt. Die Ergebnisse, die 2010 veröffentlicht wurden, zeigten, dass mehr als 40 % der Arbeitgeber der Ansicht waren, dass psychosoziale Risiken aufgrund der Sensibilität dieses Themas eine größere Herausforderung als „klassische“ Sicherheits- und Gesundheitsrisiken darstellen. Zugleich gaben nur 30 % der Führungskräfte an, dass Verfahren für den Umgang mit psychosozialen Risiken eingerichtet worden seien, obwohl 79 % Stress für einen bedenklichen Faktor hielten.

Mit dem interaktiven Erhebungs-Dashboard hat die EU-OSHA ein Datenvisualisierungstool entwickelt, mit dem die Daten gezielt gefiltert und durchsucht werden können.

Die zweite Auflage der Erhebung wurde 2014 abgeschlossen. ESENER-2 war mit nahezu 50 000 befragten Unternehmen noch umfangreicher. Die Zahl der teilnehmenden Länder stieg auf 36, und es wurden Kleinstunternehmen mit 5 bis 10 Mitarbeiten sowie land-, forstwirtschaftliche und Fischereibetriebe einbezogen.

Wie auch bei ESENER-1 zeigen die Ergebnisse, dass die Einhaltung des Rechtsrahmens der Hauptgrund für europäische Unternehmen ist, ein Sicherheits- und Gesundheitsmanagement einzuführen. Unter den Betrieben, die keine Gefährdungsbeurteilungen durchführen, besteht der Hauptgrund darin, dass sie davon ausgehen, keine größeren Probleme zu haben. Während der „Umgang mit schwierigen Kunden, Patienten, Schülern usw.“ bei den europäischen Betrieben der am häufigsten angegebene Risikofaktor (57 %) ist und insbesondere im Dienstleistungssektor häufig genannt wird, werden Faktoren, die zu Muskel- und Skeletterkrankungen führen, über alle Branchen hinweg sehr häufig angegeben.

Warum ist ESENER wichtig?

Auf EU-Ebene gibt es keine vergleichbare Informationsquelle zum Umgang mit Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, sodass sich ESENER als unschätzbares Instrument für politische Entscheidungsträger erwiesen hat. Die Fülle an aktuellen Daten, die die Erhebung bereitstellt, hilft bei der Entwicklung besserer Maßnahmen, um Arbeitsplätze sicherer, gesünder und produktiver zu machen.

Es wird immer wichtiger, neue und aufkommende Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu antizipieren, da sich die Arbeit an sich und der Kontext, in dem sie stattfindet, immer schneller verändern. Die Feldforschung für ESENER-3 fand zwischen April und Juli 2019 statt. Diese dritte Auflage der Erhebung wurde ausgeweitet und aktualisiert, um Fragestellungen wie die Auswirkungen der Digitalisierung und die Berücksichtigung des demografischen Wandels zu berücksichtigen. Die Ergebnisse, die im Frühjahr 2020 erscheinen sollen, werden bislang wenig erforschte, jedoch zunehmend wichtige Aspekte der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit beleuchten.

Wir von der EU-OSHA hoffen, dass diese innovative Erhebung uns dabei helfen wird, die Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in Europa und den voraussichtlichen Umgang damit in den nächsten 25 Jahren und darüber hinaus zu verstehen.