Einleitung
"Gesunde Arbeitsplätze - sichere Instandhaltung" ist eine europaweite Kampagne, deren Ziel in den nächsten zwei Jahren darin bestehen wird, durch die Förderung eines integrierten und strukturierten Konzepts für die Instandhaltung auf gesunde und sichere Arbeitsplätze hinzuwirken.
Instandhaltung ist ein Prozess, der jeden Bereich von Sicherheit und Gesundheitsschutz betrifft. Neben dem Versäumnis, das jeweilige Arbeitsumfeld in gutem Zustand zu halten, sind unzureichende Instandhaltungsnormen einer der Gründe für berufsbedingte Erkrankungen und Unfälle.
Der Prozess der Instandhaltung beginnt mit guter Planung – und zwar schon bevor Arbeitnehmer, die Instandhaltungsarbeiten durchführen, den Arbeitsplatz betreten – und sollte erst enden, nachdem jede Instandhaltungsarbeit kontrolliert und abgezeichnet wurde.
Was die Arbeitsplätze in Europa benötigen, ist ein integriertes und auf einer Gefährdungsbeurteilung basierendes Konzept für die Instandhaltung – und zwar ein Konzept, das jede Phase des Instandhaltungsprozesses sowie die unterschiedlichen Erfordernisse von Arbeitgebern und Auftragnehmern berücksichtigt und die Arbeitnehmer direkt einbindet.
Was ist Instandhaltung
Instandhaltung bedeutet einfach, den Arbeitsplatz, seine Strukturen, Arbeitsmittel, Maschinen, Möbel und Einrichtungen in sicherem Betriebszustand zu halten und dabei auch sicherzustellen, dass ihr Zustand sich nicht verschlechtert. Regelmäßige Instandhaltung kann auch einen plötzlichen und unerwarteten Defekt oder Ausfall verhüten.
Es gibt zwei Konzepte für Instandhaltung:
- vorbeugende oder proaktive Instandhaltung – Durchführung von Kontrollen und Reparaturen auch dann, wenn keine offenkundige Notwendigkeit dazu besteht. Diese Art von Arbeit – z. B. die Instandhaltung eines Fahrzeugs – wird üblicherweise in Übereinstimmung mit den Vorgaben des Herstellers oder der Managementpolitik geplant und angesetzt;
- Fehler behebende oder reaktive Instandhaltung – Durchführung unvorhergesehener Reparaturen an Einrichtungen oder Arbeitsmitteln am Arbeitsplatz nach einem plötzlichen Ausfall oder Defekt. Diese Art von Arbeit ist generell gefährlicher als die planmäßige Instandhaltung.
Instandhaltungsaufgaben umfassen:
- Inspektion,
- Austausch,
- Fehlererkennung,
- Erprobung,
- Einstellung,
- Austausch von Teilen,
- Messung,
- Reparatur,
- Instandhaltung.
Welche Bedeutung hat Instandhaltung im Arbeitsschutz?
Instandhaltung wird nicht ausschließlich von Monteuren und Mechanikern durchgeführt. Sie fällt in den Zuständigkeitsbereich fast aller Arbeitnehmer in jeder Branche und wird in fast jedem Arbeitsumfeld ausgeführt. Sie stellt oft eine gefährliche Tätigkeit dar. Jeder Arbeitnehmer, der Instandhaltungsarbeiten ausführt, könnte größeren Gefährdungen ausgesetzt sein als der durchschnittliche Arbeitnehmer. Zu diesen Gefahren gehören unter anderem:
- physikalische Gefahren – Lärm, Vibrationen, extreme Temperaturen, Strahlung, starke körperliche Arbeitsbelastung, Kontakt mit herabfallenden Teilen oder beweglichen Maschinenteilen, Arbeit in großer Höhe oder in engen Räumen;
- chemische Gefahren – Arbeit mit Asbest, Exposition gegenüber anderen Gefahrstoffen, insbesondere bei der Arbeit in geschlossenen Räumen;
- biologische Gefahren – Exposition gegenüber Bakterien wie Legionella pneumophila und Hepatitis-A- und Hepatitis-B-Viren;
- psychosoziale Gefahren – nachteilige Auswirkungen schlechter Arbeitsorganisation, langer oder gesellschafts- und familienfeindlicher Arbeitszeiten.
Ziele der Kampagne
Arbeitgeber sind moralisch verpflichtet und gesetzlich dafür verantwortlich, die Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter in Bezug auf alle Aspekte ihrer Arbeit zu gewährleisten. Diese Kampagne soll Arbeitgeber darin bestärken, vorauszuplanen, um die Gefährdungen zu beurteilen, bevor etwas passiert.
Durch die Kampagne soll Folgendes bewirkt werden:
- Sensibilisierung für die mit der Instandhaltung am Arbeitsplatz verbundenen Gefährdungen und Veranschaulichung, dass diese Risiken beseitigt oder verringert werden können und müssen;
- Förderung bewährter Verfahren in der Instandhaltung;
- Unterstützung von Rechtsvorschriften, Politiken, Aktivitäten und Initiativen auf der Ebene der EU und der Mitgliedstaaten, mit denen das Ziel verfolgt wird, Instandhaltungsverfahren sicherer zu machen.
Strategie der Kampagne
Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Sicherheitsbeauftragte, Fachkräfte für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, Präventionsdienste, politische Entscheidungsträger und andere Akteure sollen durch die Kampagne darin bestärkt werden, eigene Beiträge zur Entwicklung und Umsetzung von strukturierten Instandhaltungskonzepten zu leisten.
Die Kampagne wird ein einfaches Fünf-Schritte-Konzept fördern:
- Planung – Sammeln von Informationen, Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen und Entscheidung über die für die Risikokontrolle nötigen Maßnahmen, beispielsweise Schulung oder Unterweisung von Arbeitnehmern.
- Schaffung der Voraussetzungen für gefahrloses Arbeiten – dazu gehören das Einholen der entsprechenden Arbeitserlaubnis bei der zuständigen Behörde, das Sicherstellen des gefahrlosen Zugangs zum Arbeitsbereich und des gefahrlosen Verlassens des Arbeitsbereichs, das "Herunterfahren" und das Sichern des Arbeitsbereichs zur Gewährleistung der Sicherheit der Arbeitnehmer, die Instandhaltungsarbeiten durchführen.
- Sicheres Arbeiten – dies umfasst die ausschließliche Verwendung geeigneter Arbeitsmittel, und zwar nicht nur der richtigen Werkzeuge, sondern auch der richtigen Schutzausrüstung und Schutzkleidung.
- Planmäßiges Arbeiten – Einhalten des vereinbarten Arbeitsplans und des akzeptierten Arbeitssystems, ohne Schnellverfahren anzuwenden.
- Kontrolle – Sicherstellen, dass das Instandhaltungsverfahren erfolgreich abgeschlossen wurde und nicht zu zusätzlichen Gefährdungen geführt hat, bevor der Auftrag abgezeichnet wird.
Die Durchführung von Instandhaltungsarbeiten kann Arbeitnehmer gefährden – wenn keine Instandhaltung erfolgt, kann dies jedoch weitaus mehr Arbeitnehmer gefährden. Arbeitnehmer, die ihre Arbeitsmittel nicht instandhalten oder Betriebssicherheitsverfahren ignorieren, können katastrophale Betriebsausfälle riskieren.
Wer kann teilnehmen?
An der Kampagne können alle Organisationen und Einzelpersonen auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene teilnehmen, unter anderem:
- Arbeitgeber im öffentlichen und privaten Sektor, einschließlich KMU;
- Führungskräfte, Supervisoren und Arbeitnehmer; Gewerkschaften und Sicherheitsbeauftragte;
- Sicherheits- und Gesundheitseinrichtungen;
- Fachleute und Praktiker im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit;
- Ausbildungsstätten und die Bildungsgemeinschaft;
- regionale und lokale Präventionsdienste für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit und Versicherungsträger.
Wie können Sie sich beteiligen?
Damit die Kampagnen der Agentur von Erfolg gekrönt sind, sind die aktive Unterstützung und Zusammenarbeit einer Vielzahl von Beteiligten und Kampagnenpartnern erforderlich. Wir können nicht alleine agieren. Wenn wir die 200 Millionen Arbeitskräfte in der EU erreichen wollen, sind wir auf Unternehmen und Organisationen angewiesen, die die wichtigsten Botschaften der Kampagne an ihre Lieferanten, Auftragnehmer und Nachbarn weitergeben und sie zum Mitmachen ermutigen. Insbesondere Großunternehmen sind daran interessiert, kleinere Unternehmen in ihrer Lieferkette zu unterstützen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, um Erfahrung und Fachwissen auszutauschen.
Sie können uns dabei unterstützen, die Öffentlichkeit für die Bedeutung von Instandhaltungsmaßnahmen zu sensibilisieren und auf die Kampagne "Gesunde Arbeitsplätze" aufmerksam zu machen.
Dabei gibt es verschiedene Formen der Beteiligung: Sie können (kostenloses) Informationsmaterial zur Kampagne von der Website der Agentur herunterladen und bei Ihren eigenen Schulungs- und Informationsveranstaltungen verwenden.
Ferner könnten Sie:
- Informationen, Begleitmaterial zur Kampagne sowie Presseinformationen und Nachrichten an die Ihnen angeschlossenen Organisationen und Netzwerkpartner verteilen,
- den Wettbewerb für gute praktische Lösungen fördern und Organisationen, mit denen Sie zusammenarbeiten, zu einer Bewerbung ermutigen,
- auf Ihrer Website Links zur Kampagne "Gesunde Arbeitsplätze" bereitstellen,
- die Kampagne auf Ihren Sitzungen erörtern,
- die kostenlos von der Agentur bereitgestellten Plakate, Powerpoint-Präsentationen oder Napo-Zeichentrickfilme zeigen,
- einen Sprecher der Agentur zu einem Besuch einladen oder bei der Agentur Namen von Sprechern aus Fachkreisen erfragen.
Sie können auch eigene Aktivitäten organisieren - beispielsweise Schulungen, Konferenzen oder Workshops zum Thema Instandhaltung, Filme, Videos und Multimedia-Informationsprojekte, Plakatwettbewerbe und Ratespiele, Ausstellungen und Tage der offenen Tür, Sicherheitsvorführungen, Anregungsprogramme, Anzeigen und Werbekampagnen, Konzepte der "guten Nachbarschaft" zwischen großen und kleinen Unternehmen oder Pressekonferenzen und Medienaktivitäten.
Außerdem können Sie sich für den Wettbewerb für gute praktische Lösungen bewerben, mit dem Organisationen unterschiedlicher Größe gewürdigt werden, die innovative Beiträge zur Förderung einer sicheren Instandhaltung leisten.
Wenn Ihre Organisation eigene Aktivitäten für die Europäische Woche oder allgemein für die Kampagne planen möchte, können wir Ihnen behilflich sein: Auf der Agentur-Website finden Sie Beispiele für gute praktische Lösungen, Tipps für das Organisieren und Leiten von Veranstaltungen sowie Foren für den Austausch von Ideen,für Rückmeldungen und für Informationen über das, was andere Teilnehmer tun.
Wenn Sie an der Kampagne mitwirken möchten, können Sie sich mit Ihrem nationalen Focal Point in Verbindung setzen.
Kampagnenmaterial
Umfangreiche Begleitmaterialien zur Kampagne stehen in 22 EU-Sprachen zur Verfügung und können kostenlos von der Internetseite der Kampagne heruntergeladen werden.
Es werden bereitgestellt:
Werbematerial
- Faltblätter und Handzettel
- Plakate
- Banner
- Logo und Slogan
- Elektronische Signatur
Grundlegendes zur Kampagne
- Leitfaden zur Kampagne
- Vortragsfolien
Informationen zum Thema sichere Instandhaltung
Die folgenden Materialien sind auf der Website der EU-OSHA verfügbar:
MULTIMEDIA
Organisationen können das gesamte Material kostenlos nutzen und an ihre Akteure und Partner verteilen.
Während der Kampagne werden Pressekonferenzen und andere Medienaktivitäten stattfinden, um die Bedeutung der Gefährdungsbeurteilung bekannt zu machen.
Terminkalender der Kampagne
Start der Kampagne: 28. April 2010, Welttag für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
Weitere Termine
- Europäische Woche für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit: Oktober 2010
- Europäischer Wettbewerb für gute praktische Lösungen: April 2011
- Europäische Woche für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit: Oktober 2011
- Abschlussveranstaltung der Kampagne: November 2011
Viele der Veranstaltungen im Rahmen der Kampagne konzentrieren sich auf die im Oktober 2010 und 2011 stattfindende Europäische Woche für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit. Die Europäische Woche wird seit dem Jahr 2000 jährlich veranstaltet und soll Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit verbessern.
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