Frühzeitige Erkennung neu aufkommender Risiken
In der Gemeinschaftsstrategie 2007-2012 wurde als wichtigstes Ziel der Europäischen Beobachtungsstelle für Risiken die frühzeitige Erkennung von Risiken festgelegt. Im Anschluss an die Beratungen und Erörterungen mit Experten und Interessengruppen wurde folgende
Arbeitsdefinition für „aufkommende Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit“ vereinbart:
jedes berufsbedingte Risiko, das neu ist sowie in zunehmendem Maße auftritt.
„Neu“ bedeutet Folgendes:
- Das Risiko existierte zuvor nicht und wird durch neue Verfahren, neue Technologien, neue Arten von Arbeitsplätzen oder durch soziale oder organisatorische Veränderungen verursacht, oder
- ein seit langer Zeit bekanntes Phänomen wird infolge eines Wandels der sozialen oder öffentlichen Wahrnehmung als neues Risiko betrachtet, oder
- ein bereits seit langem bestehender Sachverhalt wird aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse als Risiko betrachtet.
Ein Risiko tritt in „zunehmendem Maße“ auf, wenn:
- die Anzahl der Gefahrenquellen zunimmt, oder
- die Exposition gegenüber der Gefahr, die zu diesem Risiko führen kann, zunimmt (Grad der Exposition und/oder Anzahl der Personen, die der Gefahr ausgesetzt sind), oder
- die Auswirkungen der Gefahr auf die Gesundheit des Arbeitnehmers zunehmen (Schwere der gesundheitlichen Folgen und/oder Anzahl der betroffenen Personen).
Als erste Schritte zur Ermittlung aufkommender Risiken wurden vier Prognoseberichte der Experten veröffentlicht, die physische, biologische, psychosoziale und chemische Risiken zum Thema haben. Diese Berichte sind das Ergebnis einer Expertenbefragung nach der DELPHI-Methode; ihnen folgten zahlreiche Literaturdurchsichten und ausführliche Berichte zur Untersuchung der von den Experten in ihren Prognosen ermittelten vorrangigsten Risiken, zum Beispiel Gefährdung durch Nanomaterialien am Arbeitsplatz.
Gemäß der aktuellen Gemeinschaftsstrategie 2007-2012 sollte die Europäische Beobachtungsstelle für Risiken „die frühzeitige Erkennung von Risiken – darunter biologische Risiken sowie die mit neuen Technologien, den komplizierten Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine und den Auswirkungen der demografischen Entwicklung verbundenen Risiken – verbessern“. Dies unterstützt die Initiative der Beobachtungsstelle, ein Prognoseprojekt ins Leben zu rufen, um eine Reihe von Szenarien zu entwickeln, anhand derer die möglichen Auswirkungen technologischer Innovationen auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz im Jahr 2020 untersucht werden können. Das Projekt legt den Schwerpunkt auf umweltfreundliche Arbeitsplätze, da die Berücksichtigung von Umweltaspekten in der Wirtschaft die Chance bietet, potenzielle neue Risiken bei diesen neu entstehenden Arbeitsplätzen frühzeitig zu erkennen und die Einleitung wirksamer Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Risiken zu gewährleisten. Anhand der entwickelten Szenarien sollen die politischen Entscheidungsträger besser beurteilen können, welche Entscheidungen für eine künftige Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit in Betracht zu ziehen sind.

Eine Zusammenfassung von vier Sekundäranalyse-Berichten - Verständnis des Managements von Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, psychosozialer Risiken und der Arbeitnehmerbeteiligung
