Wie sehen die Europäerinnen und Europäer ihre Arbeitsbedingungen?
News release - 06.10.2009
Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat kürzlich die Ergebnisse einer europaweiten Umfrage über Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz veröffentlicht. Wie die Ergebnisse zeigen, haben viele europäischen Bürger Sorge, dass sich die derzeitige Wirtschaftskrise negativ auf Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz auswirken und die Verbesserungen gefährden könnte, die sie in den letzten fünf Jahren verzeichnen konnten. Viele Europäer fühlen sich zudem gut informiert über die Arbeitssicherheit und sehen sie als wichtigen Faktor bei der Wahl eines neuen Arbeitsplatzes an.
Der wirtschaftliche Abschwung setzt Europas Arbeitnehmer unter Druck
Der Meinungsumfrage zufolge erwarten sechs von zehn Europäern, dass der weltweite Konjunkturabschwung zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, besonders im Hinblick auf Gesundheit und Sicherheit, führen wird. Eine deutliche Mehrheit der Befragten (75 %) in den verschiedenen Mitgliedstaaten glaubt, dass Krankheiten zumindest teilweise durch die Arbeit verursacht werden, der ein Mensch nachgeht.
Jukka Takala, Direktor der EU-OSHA, ist sich der Herausforderungen bewusst, vor denen die Unternehmen heute stehen, und legt ihnen nahe, in die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu investieren: „Die Finanzkrise könnte Unternehmen dazu verleiten, die Bedeutung der Arbeitssicherheit nicht oder nicht ausreichend zu beachten. Es besteht sogar die Gefahr, dass Unternehmen Kürzungen ihrer Investitionen in die Arbeitssicherheit in Erwägung ziehen. Unsere Aufgabe als Agentur ist es, sie davon zu überzeugen, dass es keinen Zweck hat, kurzfristige Gewinne auf Kosten langfristiger Probleme zu erzielen. Aus all unseren Arbeiten geht hervor, dass Arbeitsstätten mit besonders hohem Gesundheitsschutz auch besonders produktiv sind.“
Gehalt und Arbeitsplatzsicherheit sind am wichtigsten
Mit zunehmender Arbeitslosigkeit machen sich die Menschen möglicherweise mehr Sorgen um ihre unmittelbare Arbeitsplatzsicherheit als um Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Auf die Frage nach den ausschlaggebenden Faktoren bei der Wahl eines neuen Arbeitsplatzes geben die europäischen Bürger einem sicheren Arbeitsplatz und einem guten Gehalt Vorrang vor gesunden und sicheren Arbeitsbedingungen, die bei der Umfrage vor den Arbeitszeiten an dritter Stelle standen.
Bessere Information – verbesserte Arbeitssicherheit
Ermutigend ist, dass die Menschen in vielen Mitgliedstaaten (insbesondere in der EU-15) sich für gut informiert über Risiken am Arbeitsplatz halten und 57 % der Befragten glauben, dass die Arbeitssicherheit sich in den letzten fünf Jahren verbessert hat.
Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Die Meinungsumfrage zeigte auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Einstellung zur Arbeitssicherheit. Die männlichen Befragten nannten das Gehalt (61 %) und die Arbeitsplatzsicherheit (55 %) als wichtigste Faktoren bei der Entscheidung für eine neue Stelle, während die Frauen diese Faktoren weniger häufig (53 bzw. 51 %) nannten. Für Frauen hingegen sind offensichtlich die Arbeitszeiten wichtiger (26 %) als für die Männer (19 %).
Außerdem glauben mehr männliche (62 %) als weibliche (nur 52 %) Befragte, dass sich die Arbeitssicherheit in den letzten Jahren verbessert hat, und fühlen sich zu einem größeren Anteil (71 %) gut informiert über Fragen der Arbeitssicherheit als Frauen (61 %).
Jukka Takala: „Die Arbeitsschutzprobleme von Frauen werden häufig unterschätzt und vernachlässigt. Die Unvereinbarkeit der Arbeitszeiten mit dem Familienleben, die „Doppelbelastung“, der Frauen immer noch viel stärker ausgesetzt sind, und die Tatsache, dass auf Arbeitsunfälle mehr Augenmerk gelegt wird als auf die Gesundheit am Arbeitsplatz (was dazu führt, dass männlich dominierte Sektoren mehr Aufmerksamkeit erhalten) sind nur einige der anstehenden Herausforderungen. Es ist unabdingbar, die Arbeitssicherheit auch unter geschlechtsspezifischen Aspekten zu betrachten. Die EU-OSHA wird sich auch weiterhin bemühen, einen Beitrag zur Sensibilisierung der Unternehmen in der Europäischen Union für dieses Thema zu leisten.
Die EU-OSHA spielt seit mehr als einem Jahrzehnt eine entscheidende Rolle bei der Förderung der Arbeitssicherheit in Europa und wird mit ihrem vorausschauenden Konzept weiterhin zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen beitragen. Ihre Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze“, zu der auch die Europäische Woche der Arbeitssicherheit vom 19. bis 23. Oktober gehört, ist die weltweit größte Informationskampagne zur Arbeitssicherheit, an der sich Tausende von Organisationen und Arbeitnehmern in ganz Europa beteiligen.
Weitere Informationen über die Ergebnisse der paneuropäischen Meinungsumfrage zur Arbeitssicherheit finden Sie auf unserer Website unter: http://osha.europa.eu/en/statistics/eu-poll
Anmerkungen für die Redaktion:
1. Die „paneuropäische Meinungsumfrage zur Arbeitssicherheit“ wurde von TNS Infratest, einem weltweit führenden Unternehmen für Meinungs-, Politik- und Sozialforschung durchgeführt, das für das Eurobarometer zuständig ist. An der repräsentativen Umfrage nahmen 1000 Personen aus allen EU-Mitgliedstaaten teil, die aus einem breiten Alters-, Bildungs- und Berufsspektrum ausgewählt wurden. Die Befragungen fanden im April und Mai 2009 statt.
Durch die Fragen sollten die Meinungen der europäischen Bürgerinnen und Bürger zur Bedeutung der Arbeitssicherheit, das Arbeitssicherheitsbewusstsein der Arbeitnehmer, die aktuellen Standards der Arbeitssicherheitspraxis am Arbeitsplatz und ihre Ansichten dazu erfasst werden, wie sich diese aufgrund der Wirtschaftskrise verändern könnten.
Die vollständigen Umfrageergebnisse für die einzelnen Mitgliedstaaten finden Sie unter: http://osha.europa.eu/en/statistics/eu-poll
2. Die Aufgabe der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) besteht darin, zu sichereren, gesünderen und produktiveren Arbeitsplätzen in Europa beizutragen. Die EU-OSHA wurde von der Europäischen Union errichtet, um einen Beitrag zur Deckung des Informationsbedarfs im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu leisten. Ziel der Agentur mit Sitz in Bilbao, Spanien, ist es, die Lebenssituation der Menschen bei der Arbeit zu verbessern, indem sie den Fluss technischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Informationen zwischen all jenen anregt, die von Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit betroffen sind. http://osha.europa.eu
3. „Gesunde Arbeitsplätze: Ein Gewinn für alle Eine Europäische Kampagne zur Gefährdungsbeurteilung" ist eine europaweite Informationskampagne, organisiert von der EU-OSHA. Die aktuelle Kampagne (2008/2009) hat das Ziel, durch bessere Gefährdungsbeurteilung die Zahl der arbeitsbedingten Unfälle und Erkrankungen zu senken. Ihr Schwerpunkt liegt vor allem auf kleinen und mittleren Unternehmen sowie Hochrisikobranchen wie dem Baugewerbe, der Landwirtschaft und dem Transportwesen. http://hw.osha.europa.eu
Während der Europäischen Woche der Arbeitssicherheit vom 19.-23. Oktober 2009 finden Hunderte von Veranstaltungen und Aktivitäten in ganz Europa statt. Dazu gehören Konferenzen und Ausstellungen, Schulungen und Aktionen, bei denen große und kleine Unternehmen zusammenarbeiten. Gemeinsames Thema all dieser Veranstaltungen ist die Bedeutung von Gefährdungsbeurteilungen an jedem Arbeitsplatz. Die Kampagne endet mit der Abschlussveranstaltung am 17. November 2009.http://osha.europa.eu/en/campaigns/hw2008/events/view
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