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Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

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Europäische Beobachtungsstelle für Risiken: Immer mehr Menschen sind bei der Arbeit psychosozialen Risiken ausgesetzt

News release - 30.01.2008

Arbeitsumgebungen verändern sich durch die Einführung neuer Technologien, Materialien und Arbeitsprozesse erheblich. Veränderungen in der Gestaltung, Organisation und Verwaltung der Arbeit bringen neue Risikobereiche mit sich, die das Stressniveau erhöhen und letztlich zu einer erheblichen Beeinträchtigung der psychischen und physischen Gesundheit führen können. Aus einem neuen Bericht der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz geht hervor, dass die wesentlichen psychosozialen Risiken mit neuen Formen von Arbeitsverträgen, Arbeitsplatzunsicherheit, der Intensivierung der Arbeit, hohen emotionalen Anforderungen, Gewalt am Arbeitsplatz sowie mit einer unzureichenden Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbunden sind.

Jukka Takala, der Direktor der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA), erklärt:

Das Arbeitsleben in Europa verändert sich mit zunehmender Geschwindigkeit. Die Arbeitsplatzunsicherheit, mehrere Arbeitsstellen oder eine hohe Arbeitsintensität können arbeitsbedingten Stress verursachen und die Gesundheit der Arbeitnehmer gefährden. Eine ständige Überwachung und Verbesserung der psychosozialen Arbeitsumgebung ist notwendig, damit hochwertige Arbeitsplätze geschaffen werden können und die Arbeitnehmer gesund bleiben.

Arbeitsbedingter Stress gehört zu den größten Herausforderungen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in Europa, da davon auszugehen ist, dass die Zahl der Menschen, die an Stress leiden, der durch die Arbeit verursacht oder verschlimmert wird, zunehmen wird. Stress ist das am zweithäufigsten genannte arbeitsbedingte Gesundheitsproblem, von dem 22 % der Arbeitnehmer in der EU betroffen sind (2005). Studien deuten darauf hin, dass zwischen 50 % und 60 % aller Fehlzeiten damit in Verbindung stehen. Für das Jahr 2002 wurden die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten im Zusammenhang mit arbeitsbedingtem Stress in der EU-15 auf 20 Mrd. EUR geschätzt.

Neu auftretende psychosoziale Risiken wurden im Rahmen einer Expertenbefragung untersucht und werden in einem neuen Bericht vorgestellt. Dieser Bericht ist der dritte in einer Reihe zu neu auftretenden Risiken, der von der Europäische Beobachtungsstelle für Risiken, die ein integraler Bestandteil der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) ist, herausgegeben wird.

Unsichere Arbeitsverhältnisse gefährden die Gesundheit von Arbeitnehmern
Unter einem unsicheren Arbeitsverhältnis ist im Allgemeinen eine niedrig entlohnte und qualitativ minderwertige Beschäftigung mit geringen Aussichten auf Schulung und berufliche Entwicklung zu verstehen. Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen führen häufig die gefährlichsten Aufgaben aus, arbeiten unter schlechteren Bedingungen und erhalten seltener Schulungen zum Thema Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit. Die Arbeit unter unsicheren Arbeitsbedingungen kann zu Arbeitsplatzunsicherheit führen, die den arbeitsbedingten Stress erheblich verstärkt.

Gesundheitsprobleme durch die Intensivierung der Arbeit
Strikt einzuhaltende Termine und hohe Geschwindigkeiten führen bei einer steigenden Anzahl von Arbeitnehmern in der EU zu einem hohen Arbeitsumfang und zu einem hohen Arbeitsdruck. Der Abbau von Arbeitsplätzen, der zunehmende Umfang an Informationen, der infolge neuer Kommunikationstechnologien bei der Arbeit bewältigt werden muss, sowie mehr Anforderungen, die von weniger Arbeitnehmern erfüllt werden müssen, können ebenfalls erhöhten arbeitsbedingten Stress auslösen.

Gewalt und Mobbing gefährden die Arbeitnehmer
Das Problem von Gewalt und Mobbing am Arbeitsplatz gibt zunehmend Anlass zur Sorge. Zwar sind von diesem Problem alle Arten von Beschäftigungen und Tätigkeitsbereiche betroffen, besonders häufig tritt es jedoch in den Gesundheits- und Dienstleistungssektoren auf. Sinkende Selbstachtung, Angstzustände, Depressionen und sogar Selbstmord können die Folge sein.

Unzureichende Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben stellt eine Belastung für Familien dar
Ein hoher Arbeitsumfang und unflexible Arbeitszeiten erschweren die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, und zwar insbesondere für Frauen, die häufig einer Doppelbelastung ausgesetzt sind, d. h., sie sind sowohl bei der Arbeit als auch zu Hause gefordert. Dies kann zu Stress oder anderen negativen Folgen für die Gesundheit der Arbeitnehmer führen, insbesondere dann, wenn es ihnen nicht möglich ist, die Arbeitsbedingungen mit ihren persönlichen Bedürfnissen abzustimmen. Über 40 % der Arbeitnehmer der EU-27 mit langen Arbeitszeiten gaben an, dass für sie Beruf und Familie nicht ausreichend vereinbar seien.

Im April 2008 wird in Brüssel ein Workshop stattfinden, in dem die Ergebnisse der Befragungen erörtert und konsolidiert sowie praktische Maßnahmen zur Bewältigung psychosozialer Risiken untersucht werden. An dem Workshop werden Experten im Bereich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit, politische Entscheidungsträger auf EU-Ebene sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter teilnehmen.

Darüber hinaus plant die Agentur die Durchführung einer breit angelegten Prognosestudie zur Überwachung der Veränderungen von Arbeitsplatz und Gesellschaft, die zu neuen Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit führen. Im Jahr 2009 möchte die Agentur zudem in allen 27 Mitgliedstaaten eine Befragung von Unternehmen auf den Weg bringen, um herauszufinden, wie Organisationen im öffentlichen und privaten Sektor mit psychosozialen Risiken umgehen, und wie Unternehmen dabei unterstützt werden können, diese komplexen Gefahren am Arbeitsplatz wirksamer zu kontrollieren.

Weitere Literatur zum Thema:

Sie können die Berichte über neu auftretende Risiken kostenfrei herunterladen.



Presseanfragen:
Internationale Presse:
Birgit Müller,
Pressebeauftragte 
Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz,
Bilbao,
tel. +34 94 479 35 52
E Mail-Adresse von Frau Müller
Brüssel:
Brenda O'Brien,
Verbindungsbeauftragte in Brüssel,
NCI Business Centre,
Rue Wiertz 50,
1050 Brüssel,
Tel. +32 2 401 68 59
E Mail-Adresse von Frau O'Brien


Sonstige Anfragen:
Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, Gran Via 33, E-48009 Bilbao, Spanien,
E Mail:
Fax: +34 94 479 4383


Anmerkungen für die Redaktion:

1. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz wurde von der Europäischen Union gegründet, um einen Beitrag zur Deckung des Informationsbedarfs im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu leisten. Das Ziel der Agentur mit Sitz in Bilbao, Spanien, besteht darin, die Lebenssituation der Menschen bei der Arbeit zu verbessern, indem sie den Fluss technischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Informationen zwischen denjenigen anregt, die von Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit betroffen sind.

2. Die Europäische Beobachtungsstelle für berufsbedingte Risiken ist 2005 als integraler Bestandteil der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz eingerichtet worden. Demografische Veränderungen und Entwicklungen der Arbeitsorganisation und der Produktionsmethoden führen zu neuen Risiken für die Sicherheit und Gesundheit von Arbeitnehmern, die neuer Lösungen bedürfen. Das Ziel der Beobachtungsstelle ist es, neue und neu auftretende Risiken zu erkennen und frühzeitig vorbeugende Maßnahmen einzuleiten. Sie beschreibt Tendenzen und die zugrunde liegenden Faktoren und antizipiert Veränderungen des Arbeitsumfeldes und ihre möglichen Auswirkungen auf Gesundheit und Sicherheit.

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