79 % der europäischen Manager sorgen sich um arbeitsbedingten Stress, doch weniger als ein Drittel aller Unternehmen ergreifen geeignete Maßnahmen
News release - 03.06.2010
Wie die ersten Ergebnisse der größten Studie zu Fragen der Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zeigen, nimmt die Besorgnis über psychosoziale Risiken wie etwa Stress, Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz zu. Die neuen Daten wurden am 3. Juni 2010 von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) im Rahmen der Halbzeitbewertungskonferenz der Gemeinschaftsstrategie für Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz (2007 – 2012) erstmals vorgestellt.
Psychosoziale Risiken betreffen die meisten europäischen Unternehmen
Vier von fünf europäischen Managern äußern Besorgnis über arbeitsbedingten Stress, so die Studie „European Survey of Enterprises on New and Emerging Risks“ (ESENER – Europäische Erhebung unter Unternehmen zu neuen und aufkommenden Risiken). Damit ist Stress am Arbeitsplatz für Unternehmen ebenso bedeutsam (79 %) wie Arbeitsunfälle. Arbeitsbedingter Stress tritt sehr akut auf in Berufen im Gesundheits- und Sozialwesen (91 % der Unternehmen betrachten das Phänomen als einigermaßen oder sehr besorgniserregend) sowie im Bildungswesen (84 %).
„Während die Finanzkrise um sich greift, äußern 79 % der europäischen Manager Besorgnis über arbeitsbedingten Stress. Dieser wird bereits jetzt als starke Beeinträchtigung der Produktivität in Europa bewertet,“ so Jukka Takala, der Leiter der EU-OSHA auf der Konferenz in Barcelona. „Es stimmt jedoch sehr bedenklich, dass trotz der starken Besorgnis, die dieses Phänomen auslöst, nur 26 % der Unternehmen in der EU angemessene Verfahren nutzen, um dem Problem Stress zu begegnen. Die ESENER-Studie betont, wie wichtig es ist, Unternehmen wirksam dabei zu unterstützen, das Phänomen Stress anzugehen. Dies ist von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht sicherzustellen, dass wir über gesunde, produktive Arbeitskräfte verfügen, die die europäische Wirtschaftsleistung und Wettbewerbsfähigkeit letztendlich dringend benötigt.“
Die Studie zeigt auch, dass es 42 % der Befragten aus dem Management für schwieriger halten, psychosoziale Risiken zu bewältigen als mit anderen Sicherheits- und Gesundheitsproblemen umzugehen. Die heikle Natur des Problems (53 %) und das mangelnde Bewusstsein (50 %) sind die stärksten Hemmnisse für einen effizienten Umgang mit psychosozialen Fragen, so die Ergebnisse der Studie. Die Einbeziehung der Mitarbeiter ist beim Arbeitsschutzmanagement von entscheidender Bedeutung Die ESENER-Studie zeigt, dass an Arbeitsplätzen mit Arbeitnehmerbeteiligung die Wahrscheinlichkeit viel höher ist, dass erfolgreiche Arbeitsschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Dies gilt insbesondere für kleinere Unternehmen, bei denen dies ein wichtiger Auslöser für den wirksamen Umgang mit psychosozialen Risiken ist.
So verfügen 84 % der Unternehmen mit geregelter Mitarbeitervertretung vor Ort über eine formelle Strategieplanung für den Arbeitsschutz, während dies bei nur 71 % der Unternehmen ohne geregelte Mitarbeitervertretung der Fall ist. Maßnahmen zum Umgang mit psychosozialen Risiken wie Gewalt, Stress und Mobbing werden etwa doppelt so häufig in Unternehmen eingesetzt, die ihre Mitarbeiter anhören, als in jenen, die Maßnahmen konzipieren ohne ihre Mitarbeiter einzubeziehen.
Eine kleine Unternehmensgröße muss einem effizienten Risikomanagement nicht im Weg stehen Die ESENER-Studie zeigt, dass die größten Hemmnisse für den Umgang mit Arbeitsschutzfragen mangelnde Ressourcen (36 %) wie etwa Zeit, Personal oder Geld sowie mangelndes Bewusstsein (26 %) sind. Die Erhebung zeigt weiter, dass auch kleinere Unternehmen innerbetriebliche Risikoanalysen durchführen können, jedoch Unterstützung in Form von Know-how, Anleitung und Methoden benötigen, um ihr Risikomanagement effizient zu gestalten und um erfolgreiche Vorbeugungsmaßnahmen umzusetzen.
Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz bietet mit ihrer Kampagne und ihren Informationsdiensten Unterstützung dabei, das Bewusstsein für Gefahren am Arbeitsplatz zu steigern und ein umfassendes, integriertes Risikomanagement zu fördern. Die EU-OSHA stellt verschiedene Produkte bereit, um dieses Verfahren insbesondere für kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) zu vereinfachen. In einer neuen „Datenbank mit Tools für die Gefährdungsbeurteilung“ sind Checklisten, Handbücher, Broschüren, Fragebögen und interaktive Tools aus ganz Europa zusammengestellt. Auf diese Datenbank kann auf der Website kostenlos zugegriffen werden. Derzeit wird ein „Online-Tool zur Gefährdungsbeurteilung“ (OiRA) entwickelt. Es soll viele Tausend europäische KMU aus allen Branchen in Europa ermutigen und dabei unterstützen, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen. Im Rahmen der Gemeinschaftsstrategie für Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz (2007-12) ist es wichtig zu erfahren, wie mit Gefahren am Arbeitsplatz erfolgreich umgegangen werden kann und welche Hindernisse diesem Anliegen möglicherweise im Wege stehen. Dadurch sollen Arbeitsschutzstrategien künftig besser geplant und Unterstützungsmaßnahmen auf die Anforderungen der Unternehmen zugeschnitten werden können. Die ESENER-Studie ist ein hervorragender europaweiter Indikator für den Erfolg des Arbeitsschutzes. Sie soll die politischen Entscheidungsträger dabei unterstützen, die Fortschritte und die Umsetzung der Strategie zu beurteilen.
Der ungekürzte ESENER-Bericht sowie eine Zusammenfassung in 22 Sprachen ist auf unserer Website erhältlich. Online-Anzeige der Ergebnisse mit dem interaktiven Zuordnungstool unter www.esener.eu
Links:
Ungekürzter ESENER-Bericht (in Englisch)
Zusammenfassung der ESENER-Studie (in 22 Sprachen erhältlich)
Zuordnungstool (in 22 Sprachen erhältlich)
Anmerkungen für die Redaktionen:
1. Die European Survey of Enterprises on New and Emerging Risks (ESENER) wurde im Frühjahr 2009 von TNS Infratest durchgeführt. Die Erhebung umfasst 31 Länder in Europa: alle 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie Kroatien, die Türkei, Norwegen und die Schweiz. Es wurden 36 000 Interviews mit Managern und Arbeitsschutzbeauftragten in Organisationen mit mindestens zehn Mitarbeitern aus dem privaten und öffentlichen Sektor in allen Branchen (außer Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei) durchgeführt. Die Erhebung trägt der Meinung von Managern und Mitarbeitervertretern aus ganz Europa Rechnung. Sie liefert wichtige Informationen darüber, wie europäische Unternehmen derzeit mit Arbeitsschutzfragen umgehen. Einen besonderen Schwerpunkt stellen dabei die relativ neuen psychosozialen Risiken wie arbeitsbedingter Stress, Gewalt und Mobbing am Arbeitsplatz dar.
Anhand der Ergebnisse der Erhebung lassen sich jene Faktoren erkennen, die entsprechende Maßnahmen fördern, und jene, die solchen Maßnahmen im Wege stehen. Die Studie zeigt, welche Art von Unterstützung Unternehmen möglicherweise benötigen, um wirksame Verfahren zu entwickeln, und wie die Mitarbeiter in diese Verfahren einbezogen werden können. Damit leistet die Erhebung einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung zielgerichteter Maßnahmen gegen neue und aufkommende Risiken. Die ESENER-Studie unterstützt Unternehmen dabei, ihre Anforderungen gemäß ihrer Kenngrößen (Größe, Branche, Standort usw.) zu definieren. Darüber hinaus unterstützt sie Arbeitgeber in ganz Europa, beim Arbeitsschutz effizienter vorzugehen und das Wohlbefinden aller Arbeitnehmer zu fördern.
Die ESENER-Erhebung ist die erste europaweite Studie mit dem Schwerpunkt neue und aufkommende Risiken. Sie liefert politischen Entscheidungsträgern länderübergreifend vergleichbare Informationen und ist sehr bedeutsam, was die Messung der Fortschritte in diesem politischen Sachgebiet und ihren aktiven Beitrag zur politischen Entscheidungsfindung (z. B. künftige EU-Strategien) betrifft. Die Fragebögen wurden von einem Team entwickelt, das sich aus Experten aus den Bereichen Erhebungsdurchführung und Arbeitsschutz (insbesondere in Bezug auf psychosoziale Risiken) zusammensetzte, sowie in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der EU-OSHA. Eine wichtige Role bei der Ermittlung der Fragen, die für die Interessengruppen aus der Agentur von Bedeutung sind, spielte ferne ein dreiseitig besetztes Beratungsgremium, das aus Vorstandsmitgliedern des Verwaltungsrats der EU-OSHA bestand.
Weitere Analysen werden im Jahr 2010 durchgeführt. Dem werden vier weitere Berichte folgen, die sich schwerpunktmäßig mit den Erfolgsfaktoren des Arbeitsschutzmanagements, mit dem Umgang mit psychosozialen Risiken, mit der Einbeziehung von Mitarbeitern und Maßnahmen sowie mit den Antriebskräften und Hemmnissen für den Umgang mit psychosozialen Risiken befassen werden.
2. Aufgabe der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) ist es, die Arbeitsplätze in Europa sichererer, gesünderer und produktiver zu machen. Die EU-OSHA wurde von der Europäischen Union mit der Zielsetzung gegründet, Informationen im Bereich des Arbeitsschutzes zu liefern. Die EU-OSHA hat ihren Sitz im spanischen Bilbao. Ihr Ziel ist es, das Leben der Menschen zu verbessern, indem sie die Verbreitung technischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Informationen unter all jenen fördert, die sich mit Fragen des Arbeitsschutzes beschäftigen. Jetzt können Sie uns auf Twitter folgen, den Blog der Agentur besuchen oder unseren monatlichen Newsletter OSHmail abonnieren. Sie können sich auch anmelden, um regelmäßig Nachrichten und Informationen der EU-OSHA per RSS-Feed zu erhalten.
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